Welt : Expo 2000: Verwechslungsgefahr

Arne Boecker

Gestern war Griechenland, draußen beginnt gerade mit der Tanzgruppe "Szigligeti" der Nationentag Ungarn, morgen ist Dänemark dran, und in der täglichen Pressekonferenz versichern die Iren schon mal äußerst glaubhaft, dass ihr Nationentag auch dann ein feuchtfröhlicher werden wird, wenn der Himmel über Hannover ausnahmsweise mal trocken bleibt. Babylonisches Durcheinander herrscht auf dem Messegelände (obwohl die Mehrzahl der Besucher ein Hannöversch spricht, das so breit daherschwimmt wie die Leine). Man kann durchaus mal durcheinander geraten mit all den Ländern. Das ist jetzt der englischen Version des offiziellen Expo-Geländeplans passiert, den Bertelsmann produziert. "Chechnya" haben die Autoren den Pavillon der Tschechischen Republik betitelt. Klingt plausibel, heißt aber auf Deutsch leider: Tschetschenien.

Die Tschechen fühlten sich brüskiert und drohten, rechtlichen Rat einzuholen. Spitz hakten sie außerdem nach, ob die Bundesrepublik Deutschland, Gesellschafterin der Expo-GmbH, auf diesem Weg die diplomatische Anerkennung Tschetscheniens in die Wege zu geleiten denke. Ein paar Entschuldigungen und der Hinweis auf die Neuauflage, in der es korrekt "Czech Republic" heiße, glätteten jedoch die Wogen und erlaubten den Tschechen, die Sache mit Humor zu betrachten. Ein Gewinnspiel unter Expo-Besuchern machte die "grundlegenden Unterschiede" zwischen den Ländern deutlich. Damit nicht genug: In einer feierlichen Zeremonie hissten fünf Abgeordnete des tschechischen Parlaments am tschechischen Pavillon eine Fahne - und zwar die tschetschenische. Ob man im Reichstag zu Berlin wohl fünf Abgeordnete zusammen kriegen könnte, die derart reich mit der Gabe der Selbstironie gesegnet sind?

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