Welt : Expo 2000: Welt an der Leine?

Arne Boecker

Die Weltausstellung, gelegen in Hannovers Süden, ist als sehr niedersächsische Veranstaltung gestartet. Von den 2,2 Millionen Menschen, die in den ersten vier Wochen gen Messegelände zogen, kamen nach offiziellen Angaben 800 000 aus dem Bundesland, das sich um Hannover herumschmiegt. Zahlen über die Verteilung des Rests auf die Bundesländer, das europäische Ausland und Übersee rücken die Expo-Manager derzeit nicht raus. Am deutlichsten tritt der Trend zwischen 18 und 19 Uhr zu Tage, wenn sich die Partypeople der Region vor den Drehkreuzen versammeln, den stummen Ruf "Wir wollen rein!" auf den Lippen. Bis 19 Uhr muss man für das Ticket mindestens 69 Mark hinlegen, ab 19 Uhr gilt das 15-Mark-Abendticket. Mit ein bisschen Glück sieht man dafür Charlie Chaplins "Modern Times" im Open-Air-Kino und hört Willy de Ville in der BeatBox und surft durch den Themenpark und beschnuppert noch ein paar Pavillons. In lauen Nächten zählen die Massen nach Zehntausenden und drängeln derart, dass die Expo schon um 18.30 Uhr dem Druck nachgeben muss.

Im Expo-Jargon werden diese Menschen aus Lehrte und Stadthagen, Hildesheim und Nienburg liebevoll "Zehnmarkis" genannt, weil das Ticket bis vor kurzem so viel kostete. Die Macher sind froh über die Besucher aus der Nachbarschaft, die verhindern, dass ihre Weltausstellung leer wirkt wie das Dortmunder Westfalenstadion zwei Stunden nach Spielschluss. Aber das Billigticket birgt auch ein Problem. Die Expo-GmbH kalkuliert mit einem durchschnittlichen Erlös von 45 Mark pro Ticket. Je mehr Zehnmarkis eine Billigkarte kaufen, desto größer ist die Ebbe in der Kasse.

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