Welt : Expo 2000: Zahlenzauber (Kommentar)

Arne Boecker

Das Gelände der Expo 2000 ist riesig - so groß wie Monaco. "Naja, also, bitte ... Monaco!!!" wird der weltenkundige Tagesspiegel-Leser aus Mitte oder Tempelhof oder Köpenick jetzt sagen, aber: 170 Hektar sind 170 Hektar. Die behält man nicht einfach mal so im Blick.

"Gestern waren 101 000 Besucher auf dem Gelände", hieß es jüngst in der Mittagspressekonferenz. Erst sickert die Zahl in die Journalistenhirne - einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiund ... - bis es dann doch noch "Klick!" macht: "Ist die Zahl denn ermittelt oder geschätzt?" Mit fester Stimme antwortet der Pressesprecher: "Das ist eine Schätzung."

Jungejunge, die haben gute Augen, diese Expo-Leute! Knapp hunderttausend Menschen in Hannover-Monaco dürften die amtlichen Schätzer erst mal über den Pi-mal-Daumen geschlagen haben. Wer vermag sich dann aber ihre grenzenlose Erleichterung vorzustellen, als sie - wahrscheinlich hinter dem Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate - noch mal zwei Tausendschaften versprengter Besucher entdeckten!

Satte 101 000 Besucher klingen nämlich erheblich optimistischer, sonniger und erfolgverheißender als mickrige 99 000. (Von der eigenen Kalkulation sind die Expomacher ohnehin in beiden Fällen weit entfernt.) Gedruckt wird die Zahl aber trotzdem. In manchen Pressekonferenzen wähnt man Lotto-Fee Karin Tietze-Ludwig auf dem Podium: "Der Aufsichtsbeamte hat sich vom ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes überzeugt." Und dann purzeln schicksalhaft irgendwelche Zahlen durch den Raum - pure Psychologie statt professioneller Pressearbeit.

Ach übrigens: Es ist wirklich voller geworden in Hannover-Monaco. Um wieviel, wird man nach Ende der Expo erfahren, wenn sich Bundes- und Landesrechnungshof an die Arbeit machen. Beamte würfeln nicht, sie zählen.

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