Expo 2008 : Alles im Fluss

Die Expo 2008 in Saragossa will über den nachhaltigen Verbrauch von Wasser informieren. In den kommenden drei Monaten sollen sechs Millionen Besucher die Weltausstellung sehen.

Ralph Schulze[Saragossa]
Expo
Brückenpavillon. Das spektakuläre Bauwerk des irakischen Architekten Zaha Hadid. -Foto: dpa

Das „Wunder“, wie Expo-Chef Roque Gistau es nennt, ist gerade fertig geworden: An diesem Samstag eröffnet die Weltausstellung in der nordspanischen Großstadt Saragossa ihre Tore. Die Internationale Expo 2008, deren Thema der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser ist, erwartet in den kommenden drei Monaten sechs Millionen Besucher aus aller Welt.

Ausgerechnet Spanien, wo Wasser Mangelware ist, hatte es in Saragossa mit wochenlangen Regenfällen zu tun. Weshalb der Ebro über seine Ufer trat, die Expo-Gärten überflutete und die Aufbauarbeiten störte. „Es fehlt nur noch ein Meerbeben“, brummt Gistau. Die Eröffnungsshow auf einer Flussplattform musste auf festen Grund verlegt werden.

Bis zum Freitag – am Abend kamen König Juan Carlos, Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso – schufteten Arbeiter Tag und Nacht, um das Prestigeprojekt gegen alle Widrigkeiten zu Ende zu bringen. Die Expo dient der Stadt vor allem als Mittel, um Tourismus und Wirtschaft anzukurbeln. Jeder auswärtige Besucher, haben die Reisemanager händereibend ausgerechnet, gebe „im Schnitt 110 Euro pro Tag“ aus und bleibe „drei bis fünf Tage in der Stadt“.

Damit es rund um das aus dem Boden gestampfte Neubauareal am westlichen Stadtrand nicht zu öde aussieht, wurden noch Stunden vor der Eröffnung spindeldünne Bäume gepflanzt und Rasen ausgerollt, um hässliche Erdinseln zu bedecken. Die Zugangswege sind so frisch asphaltiert, dass der Teer den ersten Besuchern an den Schuhen kleben wird. Teilnehmerländer klagen hinter vorgehaltener Hand über eine „chaotische Organisation“. „So sind wir halt“, meint ein älterer Zaungast, der von der neuen avantgardistischen Fußgänger-Ebrobrücke zur Expo hinüberschaut, wo 105 Länder ihre Vision zur Zukunft des Wassers vorstellen. „Immer auf den letzten Drücker.“ Der Rentner hält sich am Geländer fest, um vom heftigen Nordwind nicht weggeweht zu werden. „Improvisieren“, sagt der Mann, „das können wir Spanier richtig gut.“ Die lang geschwungene Brücke schwankt leicht im Wind. Der windschiefe, 90 Meter hohe Stahlbetonmast, der in den Fluss gerammt wurde und die Konstruktion an 46 Stahlseilen hält, sieht aus, als ob er gleich in die Fluten stürzen würde. „Die Expo bringt schon viel Positives“, freut sich der Mann. „Das hätten wir sonst in 20 Jahren nicht erreicht.“

„Spieß“, tauften die knapp 700 000 Bewohner Saragossas das neue Brückenwerk, das sie zusammen mit vier weiteren modernen Flussübergängen anlässlich der Expo geschenkt bekamen. Der lange Zeit als Kloake missbrauchte Fluss soll „zur Hauptstraße Saragossas werden“, versprach Bürgermeister Juan Albert Belloch. Die Expo besetzt eine abgelegene Flussschleife, in der früher Frösche durch eine Auenlandschaft hüpften. Das Gelände soll sich nach Ende der Wasserfiesta in einen Freizeit- und Gewerbepark aus Beton und Grünzonen verwandeln. Daneben bekommt Saragossa eine bessere Verkehrsanbindung: ein nagelneues Flughafenterminal und einen Haltepunkt für den Hochgeschwindigkeitszug, der die 325 Kilometer zur Hauptstadt Madrid in 75 Minuten überwindet. Dazu kommen Autobahnringe um die Stadt, Tiefgaragen in der City, Parks und Fahrradwege entlang dem Ebro. Promenaden, über die man von Saragossas Wahrzeichen, der Pilar-Basilika, bis zur Expo schlendern kann. Die Monumente aus römischer, arabischer und christlicher Vergangenheit der alten Königsstadt in Aragonien wurden saniert. „Wir haben zwar die letzten Jahre viel Staub geschluckt“, stöhnt ein Taxifahrer. „Aber es hat sich gelohnt.“

Mehr als 3,5 Milliarden Euro wurden für die Expo investiert. Nur die eigenen Ansprüche wurden dabei nicht berücksichtigt. Zwar wird das Expo-Gelände mit Solarenergie, recyceltem Wasser und Öko-Souvenirs versorgt. Doch der stolze Ebro, Spaniens zweitlängster Fluss, sei von der Weltausstellung regelrecht vergewaltigt worden, beklagen Umweltschützer und Universitätsprofessoren in einem offenen Brief. Ein mächtiges Stauwehr, um den Fluss für Expo-Ausflugsboote schiffbar zu machen, und die Massenabholzung von Bäumen in der früheren wilden Auenlandschaft seien entgegen jeglichem Öko-Sachverstand und europäischer Umweltempfehlungen erfolgt. Das sei „kein Beispiel für Nachhaltigkeit“.

Die Expo ist vom 14. Juni bis 14. September geöffnet. Erwachsene zahlen 35 Euro Eintritt und Kinder 21 Euro.

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