Welt : Expo: Still und leise

Klaus Wallbaum

Noch ist die Expo nicht zu Ende, doch die Versteigerer sind bereits angerückt. Fast unbemerkt vom Publikum ging am Mittwoch vor 500 Interessenten in der Halle 1 des Geländes bereits die Auflösung der Expo vonstatten. Dort werden jene Ausstellungsstücke verkauft, die von Anfang an auf besonderes Interesse der Besucher gestoßen waren. In 950 Einzelpositionen bietet der Versteigerer Troostwijk Deutschland den Expo-Themenpark zum Verkauf an.

Bei der gestrigen Auktion konnten Interessenten unter anderem den Paradiesgarten aus dem "Planet of Visions", die Entspannungsliegen ("Gesundheit") und die fahrenden Roboter-Eier ("Wissen") ersteigern. Für 150 000 Mark gingen allerhand Konsumgüter, Spielzeug und Werbetafeln aus der Halle "Basic Needs" an ein Duisburger Kindermuseum. Etwas abgeschirmt vom übrigen Geschehen auf der Expo konnten Gebote abgegeben werden.

Bald geht die Versteigerung weiter: Am 31. Oktober sind mehrere Pavillons im Angebot, darunter der tschechische für eine Mark, am 7. und 8. Dezember stehen Topfpflanzen, Straßenlaternen, Büromöbel und Fahnenmasten auf dem Programm. Versteigert wird in Halle 1 am Nordeingang der Expo. Für die Versteigerung muss kein Eintritt bezahlt werden. Schlussverkauf auf der Expo.

Obwohl die Expo-Besucher von den Versteigerungen nur wenig merken, spiegelt sich doch in den Gesichtern vieler Expo-Mitarbeiter Wehmut wider. Nun geht die große Ausstellung unweigerlich zu Ende. Oft genug haben sie über den Stress geklagt, über lange Arbeitszeiten und über den ausgefallenen Sommerurlaub. Nun, da sich die Ursache all dieses vermeintlichen Übels aufzulösen beginnt, hört man nur noch Gutes über die Weltausstellung.

"Reißt nicht alles nieder", war kürzlich in einer Hannoverschen Zeitung zu lesen. "Lasst wenigstens einige Teile der Ausstellung noch bis Jahresende geöffnet", hieß es in einer anderen.

Doch die Aussichten sind düster: Nur für wenige Expo-Pavillons gibt es bereits verbindlich festgelegte Nachnutzungen. Das Schicksal vieler Bauten ist ungewiss, einige davon werden unvermeidlich von der Abrissbirne niedergeworfen werden. Bislang ist auch noch unklar, welches Profil das Expo-Gelände bekommt. Ein Großteil war vorher Messegelände und wird dies auch wieder werden. Aber die Flächen im Osten, auf denen 35 Nationen ihre Hallen errichtet hatten, werden für die Messe nicht benötigt. Ein Wissenschaftspark könnte hier entstehen - aber dafür fehlen bisher Investoren und Nachfrager. Für Fach- und Einkaufsmärkte gibt es zwar schon Interessenten - aber der Hannoversche Einzelhandel wehrt sich mit Händen und Füßen. Lediglich die Dänen haben eine Genehmigung für ein Bekleidungsgeschäft erhalten.

Hat die Expo-Führung gelogen?

Der Unternehmensberater Roland Berger aus München hat gegenüber der "Wirtschaftswoche" gesagt, er habe 1998 Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Expo-Gesellschaft sowie dem damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens, Schröder, ein Gutachten vorgestellt, nach dem 26 Millionen Besucher und ein Defizit von 1,6 Milliarden Mark zu erwarten waren. Dennoch habe die Expo an der Besucherzahl von 40 Millionen festgehalten und ein zu erwartendes Minus von 400 Millionen Mark behauptet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben