• Facebook-Botschaft erreicht riesiges Publikum: Polizei Hagen: Eltern sollten Kindern nicht mit der Polizei drohen

Facebook-Botschaft erreicht riesiges Publikum : Polizei Hagen: Eltern sollten Kindern nicht mit der Polizei drohen

Eltern sollten Kindern nicht mit der Polizei drohen - mit dieser Kampagne erreichte die Polizei Hagen mehr als fünf Millionen Menschen über Facebook.

Robert Klages
"Hören Sie bitte auf Ihren Kindern zu sagen, dass wir sie holen, wenn sie nicht brav sind. Ihre Kinder sollen zu uns kommen, wenn sie Angst haben... und nicht Angst vor uns haben. Danke!" Mit dieser Kampagne hat die Polizei Hagen bisher rund 5,5 Millionen Menschen via Facebook erreicht.
"Hören Sie bitte auf Ihren Kindern zu sagen, dass wir sie holen, wenn sie nicht brav sind. Ihre Kinder sollen zu uns kommen, wenn...Screenshot Facebook

"Wenn du böse bist, holt dich die Polizei!" Mit dieser Mahnung wollen viele Eltern ihre Kinder dazu bringen, gehorsam zu sein. Die Polizei in Hagen in Nordrhein-Westfalen findet das nicht gut - die Beamten wollen nicht als die Bösen dargestellt werden, die Kinder holen. Also veröffentlichten sie einen Beitrag auf Facebook mit einem Hinweis an Eltern, Kindern nicht mit einer Verhaftung zu drohen - und erreichten damit Millionen Menschen.

"Hören Sie bitte auf Ihren Kindern zu sagen, dass wir sie holen, wenn sie nicht brav sind. Ihre Kinder sollen zu uns kommen, wenn sie Angst haben... und nicht Angst vor uns haben. Danke!", schreiben die Beamten aus Hagen auf Facebook, neben dem Text ist eine lächelnde Polizeibeamtin zu sehen. Imagepolitur für die Menschen in Blau. Am Donnerstagmorgen lag die Reichweite dieses Posts nach Angaben der Polizei bei rund 5,5 Millionen Menschen. Rund 65.000 Facebook-Nutzer hatten den Beitrag geteilt, mehr als 20.000 auf „gefällt mir“ geklickt. Gepostet hatte die Polizei die Botschaft am Montagnachmittag.

Wie derwesten.de schreibt, kam einem Beamten die Idee am Montagmorgen beim Einkaufen: Hagens Polizeisprecher Tino Schäfer beobachtete eine Mutter mit ihrem Kind im Supermarkt. Der Junge wollte immer wieder in das Schokoladenregal greifen. Als die Mutter mit der Polizei drohte, hörte das Kind erschrocken damit auf. Dies nahm der 41-Jährige mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung zum Anreiz für die Facebook-Kampagne. "Für uns ist das permanent ein Thema, dass Eltern mit der Polizei drohen", erklärt Schäfer die Intention. "Dabei ist - übrigens ganz generell - unser Anspruch, Freund und Helfer zu sein."

"Wir wollen eine Polizei zum Anfassen sein"

Die Initiative hat auch einen ernsten Hintergrund: Kinder, denen Missbrauch widerfahren ist, sollten sich an die Polizei wenden können. Schon wenn ein Kind beim Einkauf in der Stadt verloren ginge, sollte es Polizisten besser nicht als Gefahr begreifen. „Es ist kontraproduktiv, wenn Kinder Angst vor der Polizei bekommen“, sagt Schäfer. „Wir wollen doch eigentlich Ängste abbauen und eine Polizei zum Anfassen sein.“ Die Mutter im Supermarkt erinnerte Schäfer auch an seine eigene Kindheit: "Meine Eltern haben das auch manchmal gesagt. Als einmal ein Streifenwagen bei uns am Haus vorbeifuhr, habe ich panische Angst bekommen, dass mich die Beamten wirklich holen kommen." Weil diese Drohung weit verbreitet sei, sei der Post wohl so erfolgreich geworden, vermutet Schäfer. Normalerweise liege die Reichweite der Facebook-Posts der Polizei Hagen bei etwa 15.000.

Die Kommentare auf den Beitrag bei Facebook sind gemischt: Eine Frau findet den Hinweis gut: "Meine Oma hat das immer gesagt. Ich wäre in einer Notsituation nie zu einem Polizisten gelaufen, um Hilfe zu holen." Ein anderer User schreibt: "Habe noch nie gehört, dass jemand sein Kind mit Polizei einschüchtern will." Auch der Mittelweg wird vorgeschlagen: "Gleich den Kinder sagen, wie hier die Gesetze sind. Und auch sagen, für was die Polizei gut ist und hilft."

"Das Vertrauen ist verspielt, liebe Polizei", schreibt eine Userin und verweist auf die jüngste Gewaltbereitschaft der Polizei, besonders in den USA.

Derweil bedankt sich die Polizei Hagen via Facebook: "Wir freuen uns, dass unsere Botschaft über Facebook so viele erreichen konnte und nun auch in den Medien (Zeitung, Hörfunk, Fernsehen) diskutiert wird." Bitteschön.

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