Facebook-Gründer : Mark Zuckerberg: Vom Nerd zum Philantropen

Warum Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 100 Millionen für Schulen spendet – und das laut bei Oprah Winfrey im TV verkündet. Ein Porträt des jüngsten Selfmade-Milliardärs.

Friedemann Diederichs,Roman Elsener
Im Kampf mit Hollywood. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, jüngster Selfmade-Milliardär der Welt. Foto: dpa
Im Kampf mit Hollywood. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, jüngster Selfmade-Milliardär der Welt. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Über die Stadt Newark, den kleinen Nachbarn New Yorks gleich westlich des Hudson-River, gibt es wenig Gutes zu sagen. Hässliche Industriebauten, ungepflegte Viertel, eine hohe Kriminalitätsrate. Von den 275 000 Einwohnern leben die meisten nur hier, weil sie sich Manhattan oder Brooklyn nicht leisten können. Und die Schulen? Sie fügen sich nahtlos in das schlechte Zeugnis ein. 60 Prozent der Drittklässler können noch immer nicht lesen und schreiben, knapp die Hälfte aller High-School- Kids schafft den Abschluss nicht. Doch nun gibt es für den Schulbezirk von Newark ein unerwartetes süßes Geschenk. Mark Zuckerberg, der Facebook-Gründer und mit 26 Jahren Amerikas jüngster Selfmade-Milliardär, hat sein Herz für jene Region entdeckt, über die verächtlich als „Armpit“ (Achselhöhle) New Yorks gespottet wird. 100 Millionen US-Dollar wird er von seinem auf 6,9 Milliarden Dollar („Forbes“) geschätzten Vermögen abknapsen und durch eine Stiftung den Schulen zur Verfügung stellen – Vorschriften für die Verwendung gibt es nicht. „Neue Dinge ausprobieren“ möge man dort, ist der Wunsch des Stifters, der für die Bekanntgabe im Fernsehen publikumswirksam die Oprah-Winfrey-Show wählte.

Vom kalifornischen Nerd zum großherzigen Philantropen im Rekordtempo – was steckt dahinter? Warum nicht eine Stadt irgendwo in Kalifornien, wo Zuckerberg nahe der Facebook-Zentrale in Palo Alto ein eher bescheidenes Haus mit seiner Freundin teilt, einen unauffälligen Mittelklassewagen fährt und am liebsten in Jeans und T-Shirt zur Arbeit geht? Und warum kommt die Spende gerade jetzt?

In wenigen Tagen startet in den USA der Hollywoodstreifen „The Social Network“, der am Freitag das New Yorker Filmfestival eröffnete. In Deutschland startet der Film am 7. Oktober. Er schildert die Geburtswehen von Facebook und portraitiert dabei „wie ein Thriller“ („New York Times“) Zuckerberg als unsympathischen, seinen Freunden und Partnern in den Rücken fallenden Studenten und Jungunternehmer.

Der Jungmilliardär hat jetzt zwei Gesichter, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Vor einem Jahr habe er erstmals begonnen, darüber nachzudenken, wie er Geld für gute Zwecke verschenken könne, lautet die offizielle Darstellung aus der Facebook-Zentrale. Seine Vizechefin Sheryl Sandberg, früher im US-Finanzministerium tätig, habe ihn daraufhin mit Prominenten zusammengebracht – wie Michael Bloomberg, dem Bürgermeister New Yorks, und dessen Amtskollegen in Newark, Cory Booker. Schnell habe festgestanden, das Geld solle an Schulen gehen. Denn, so sagte Zuckerberg: „Ich möchte, dass alle Kinder ähnlich gute Möglichkeiten wie ich erhalten.“

Das Drehbuch aus der Feder von Aaron Sorkin („West Wing“) schont Zuckerberg nicht. „Du kannst keine 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen“, lautet das Motto des Sony-Streifens, den Facebook am liebsten verhindert oder zumindest umgeschrieben hätte. Bis heute verfolgen den Firmengründer Klagen mit dem Vorwurf des Ideendiebstahls. Scott Rudin, einer der Produzenten, ließ jetzt im „Wall Street Journal“ durchblicken: Man habe Facebook das Drehbuch vorab lesen lassen und in Fragen der Darstellung technischer Vorgänge kooperiert. Doch dann sei aus Palo Alto die Bitte gekommen, dem Film eine ganz andere Richtung zu geben, weil der Streifen in dieser Form einem Börsengang des Unternehmens schaden könnte. Und: Die Darstellung von Mark Zuckerberg sei „nicht sympathisch“. Doch bei Sony blieb man hart. Und hat deshalb mindestens einen Zuschauer verloren. Der Wohltäter von Palo Alto kündigte bereits an, sich das Werk nicht ansehen zu wollen. Er will sich wohl nicht antun, was der Film gleich am Anfang zeigt. Da redet der ungelenke Harvard-Student, gespielt von Jesse Eisenberg , seine Freundin in intellektuell überlegenem Tonfall in Grund und Boden. Sie hat irgendwann die Nase voll und sagt: „Mark, du wirst Erfolg haben und reich werden. Und du wirst immer denken, dass die Mädchen dich nicht leiden können, weil du ein Nerd bist. Aber das ist nicht wahr. Sie können dich nicht leiden, weil du ein Arschloch bist.“

Ein wenig ist es, als verabreiche der Film Zuckerberg eine Portion seiner eigenen Medizin. Auch wenn die Macher des Streifens zugeben, Szenen zwecks Verschärfung der Dramaturgie zugespitzt und Dialoge erfunden zu haben, sähe Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite das Bild, das der Film von ihm bietet, er würde sofort den „tag“ entfernen, den Eintrag löschen. Der Erfinder des Megareiches der Selbstdarsteller gibt selber nämlich nicht gerne viel von sich preis. „Interessant, aber Fiktion“, sagte der 26-Jährige über den Film des Regisseurs David Fincher („Fight Club“). Er lese keine Bücher, schaue kaum Filme, auch diesen werde er sich nicht ansehen, verriet er vor einem Millionenpublikum Oprah Winfrey. Mit Facebook habe er die Welt zu einem offeneren Ort machen wollen. Der Film lege stattdessen nahe, er habe das Netzwerk eingerichtet, um leichter Frauen kennenzulernen. Was denn wirklich geschah in den Anfangsjahren, als er seinen besten Freund Eduardo Saverin aus dem Unternehmen drängte, verriet er nicht. „Ich war 19, als ich Facebook entwickelte, ein unerfahrener Junge. Ich hatte keine Ahnung von Business und noch nie hatte jemand über meine Person geschrieben. Das hat sich geändert, und ich brauchte eine Weile, um zu lernen, damit umzugehen.”

Im Film möchte der 19-jährige Mark es in einen der exklusiven Harvard-Clubs schaffen. Um Aufmerksamkeit zu erregen, entwickelt das Computer-Genie ein Web-Portal für seine Mitstudenten. „Ich rede davon, sämtliche sozialen Erlebnisse im College online zu stellen.“ Dafür hat er ein Rezept. „Die Leute wollen ins Internet und wissen, was ihre Freunde machen. Also baue ich ’ne Website, die das anbietet.“ Facebook wird schnell ein Riesenerfolg, der weit über die Campusgrenzen hinausgeht und die Freundschaft zwischen Zuckerberg und seinen Kumpel Eduardo Saverin (Andrew Garfield) auf die Probe stellt. Irgendwann taucht Sean Parker, der einstige Mitgründer der Musiktauschbörse Napster, gespielt von Justin Timberlake, als Mentor auf. Längst geht es nicht mehr um Mädchen, es geht um Geld. Parker sagt: „Eine Million Dollar ist nicht cool. Weißt du, was cool ist? Eine Milliarde!“ Später im Film kommt eine Frau auf Zuckerberg zu und sagt: „Mister Zuckerberg, Sie sind kein Arschloch. Aber Sie geben sich große Mühe, eines zu sein.“

Zuckerberg hat Steve Jobs auf der „Forbes“-Liste der reichsten Männer überholt. Über Jobs wurde noch kein Film gedreht. Dafür muss man wohl so einer sein wie Mark Zuckerberg.

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