Fährunglück bei Südkorea : Präsidentin Park: "Was der Sewol-Kapitän getan hat, war wie Mord"

Eine Hoffnung auf Überlebende des Fährunglücks vor Südkorea gibt es nicht mehr. Präsidentin Park macht nun der Crew schwerste Vorwürfe.

Eine Frau betet am Strand in der Nähe des Fährunglücks.
Eine Frau betet am Strand in der Nähe des Fährunglücks.Foto: dpa

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hat dem Kapitän der in der vergangenen Woche verunglückten Fähre „Sewol“ vorgeworfen, sich des Mordes schuldig gemacht zu haben. „Die Taten des Kapitäns und einiger Besatzungsmitglieder waren vollkommen unverständlich, inakzeptabel und kamen Mord gleich“, sagte Park bei einem Treffen mit ihren Sekretären am Montag in Seoul. Die Fähre war am Mittwochmorgen auf dem Weg zur Insel Jeju mit 476 Menschen an Bord gekentert und später gesunken.
Park sagte, es sei zunehmend klar, dass der Kapitän Lee Joon Seok die Evakuierung des sinkenden Schiffes unnötig verzögert und die Passagiere dann „im Stich gelassen“ habe, als er das Schiff verließ. „Dies ist vollkommen unvorstellbar, rechtlich wie ethisch“, sagte Park. Sie kündigte an, dass das Verhalten aller Beteiligter, angefangen von den Eignern des Schiffs, über die Inspektoren bis hin zur Besatzung, untersucht werde, und die Verantwortlichen vor Gericht gebracht würden.

Am Sonntag hatten Taucher weitere Leichen aus dem Schiffswrack bergen können. Es war das erste Mal, dass die Taucher überhaupt in den Passagierbereich der gekenterten Fähre hatten vordringen konnten. Zuvor hatten sie wegen der starken Strömung und schlechter Sicht in dem trüben Wasser nur die Frachträume erreicht.

Fähre vor Südkorea gekentert - Hunderte Menschen an Bord
16.04.2014: Vor der Küste Südkoreas ist eine Fähre mit fast 500 Menschen an Bord gesunken. Viele Kinder und Jugendliche schwimmen um ihr Leben.Weitere Bilder anzeigen
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16.04.2014 09:2916.04.2014: Vor der Küste Südkoreas ist eine Fähre mit fast 500 Menschen an Bord gesunken. Viele Kinder und Jugendliche schwimmen...

Sie schlugen am Samstag kurz vor Mitternacht Ortszeit ein Fenster des Wracks ein und zogen die ersten drei Leichen aus einem Kabinendeck. Die Taucher konnten mehrere Taue fixieren, die ihnen bei der Orientierung im Schiffsinneren halfen. Die Bergung dürfte dadurch nun schneller vorankommen, sagte ein Vertreter der Küstenwache auf einer Pressekonferenz im Rettungszentrum der Hafenstadt Jindo. Erst wenn die Leichen geborgen seien, werde versucht, die Fähre mit Kränen zu heben.

Der 69-jährige Kapitän der "Sewol" und sechs weitere Crew-Mitglieder befinden sich derzeit wegen des Verdachts auf gravierende Pflichtverletzungen in Haft. Unter ihnen ist auch die Dritte Offizierin, die zum Zeitpunkt des Unglücks am Steuer war, sowie zwei Erste Offiziere, ein Zweiter Offizier und ein Chefmaschinist. Augenzeugen zufolge haben der Kapitän und mehrere Crew-Mitglieder vor den Passagieren das sinkende Schiff verlassen. Unter dem Gesichtspunkt des gesunden Menschenverstands sei deren Verhalten unverständlich, sagte Präsidentin Park nach Angaben der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap.

Der Kapitän und die Crew-Mitglieder waren am Samstag festgenommen worden. Am Sonntag veröffentlichte Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der Fähre und der Schifffahrtskontrolle zeigten, dass zur Zeit des Unglücks auf der Brücke Panik und Chaos herrschte. Die Fähre “Sewol“ war am Mittwoch vor der südkoreanischen Küste mit 476 Menschen an Bord - darunter 339 Schüler und ihre Lehrer - in Seenot geraten und untergegangen. 174 Menschen wurden gerettet. 64 Leichen wurden bislang geborgen. 238 Menschen werden noch vermisst, ein Großteil davon Schüler. (AFP/dpa/rtr)

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