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Fährunglück in Südkorea : 13 Leichen aus der "Sewol" geborgen

Nach dem tragischen Fährunglück in Südkorea haben Taucher nun die ersten Leichen aus dem Wrack geborgen, die Zahl der bestätigten Todesopfer steigt auf 46. Zuvor war bekannt geworden, dass das Schiff zur Unglückszeit von einer Frau ohne viel Fähr-Erfahrung gesteuert wurde.

Der Kapitän der Unglücksfähre, Lee Jun-seok (zweiter von rechts), auf dem Weg zu den Ermittlern in der Hafenstadt Mokpo.
Der Kapitän der Unglücksfähre, Lee Jun-seok (zweiter von rechts), auf dem Weg zu den Ermittlern in der Hafenstadt Mokpo.Foto: rtr

Rettungstaucher haben zum ersten Mal seit dem Untergang der südkoreanischen Fähre „Sewol“ mehrere Leichen aus dem Innern des Schiffs geborgen. Insgesamt seien von Samstagnacht bis Sonntagmorgen (Ortszeit) 13 Leichen aus dem gesunkenen Schiff gezogen worden, berichtete der südkoreanische Rundfunksender KBS. Zuvor hatten die Rettungsmannschaften nur Leichen im Wasser um die Unglücksstelle gefunden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer der Katastrophe erhöhte sich auf 46. Noch galten mehr als 250 der 476 Insassen als vermisst.

Wie ein Vertreter der Küstenwache mitteilte, hatten Taucher zunächst leblose Körper durch ein Kabinenfenster erspäht. Kurz vor Mitternacht (Ortszeit) schlugen sie das Fenster Passagierkabine ein und holten drei Tote heraus. Alle drei trugen demnach Schwimmwesten. Die Bergung war am Samstag zunächst an starken Strömungen und schlechter Sicht gescheitert.

Die 20 Jahre alte “Sewol“ war am Mittwoch mit 476 Menschen an Bord vor der Küste Südkoreas in Seenot geraten, gekentert und nach einigen Stunden gesunken. Die meisten Passagiere waren Schüler auf einem Schulausflug. Es wird vermutet, dass die meisten Opfer noch im Innern des Schiffes eingeschlossen sind. Der Kapitän und die meisten der 28 Besatzungsmitglieder konnten sich retten.

Gegen den Kapitän Lee Joon Seok und zwei weitere Besatzungsmitglieder wurde unterdessen Haftbefehl wegen Vernachlässigung von Dienstpflichten und Verstoßes gegen das Seerecht erlassen. Am Samstagmorgen wurden sie festgenommen. Darunter war eine 26-jährige dritte Offizierin, die auf der Fähre zum Zeitpunkt des Unglücks das Kommando hatte, und die das Schiff nach Angaben der Ermittlungsbehörden zum ersten Mal gesteuert hatte. Vor der Unglücksfahrt habe die junge Frau mit dem Nachnamen Park noch nie ein Schiff durch die Gewässer gesteuert, die für ihre starken Strömungen berüchtigt sind, berichtete der staatliche Sender Arirang und berief sich auf die Ermittler.

Fähre vor Südkorea gekentert - Hunderte Menschen an Bord
16.04.2014: Vor der Küste Südkoreas ist eine Fähre mit fast 500 Menschen an Bord gesunken. Viele Kinder und Jugendliche schwimmen um ihr Leben.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: AFP
16.04.2014 09:2916.04.2014: Vor der Küste Südkoreas ist eine Fähre mit fast 500 Menschen an Bord gesunken. Viele Kinder und Jugendliche schwimmen...

Neben der dritten Offizierin wurde auch der Kapitän Lee Jun-seok festgenommen. Ihm wird Medienberichten zufolge eine Verletzung des Seerechtes vorgeworfen. Er selbst sagte, er habe die Passagiere zunächst angewiesen, die Fähre zu verlassen. “Aber dann habe ich ihnen gesagt, sie sollten bleiben, denn es gab kein Rettungsboot“, sagte Lee dem südkoreanischen Fernsehen, als Polizisten ihn abführten. Er habe befürchtet, dass die Menschen in
dem eiskalten Wasser nicht lange überleben würden. Überlebende berichteten, der Kapitän habe das sinkende Schiff als einer der ersten verlassen.

. (rtr/AFP/dpa)

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