Fall Chandra Levy : Ende einer Hetzjagd

Acht Jahre nach dem aufsehenerregenden Mord an der Praktikantin in Washington kommt es endlich zum Durchbruch: Im Fall Chandra Levy soll der Mörder gefunden sein.

Chandra Levys Zimmer im Haus ihrer Eltern im kalifornischen Modesto gleicht einem Museum. Im Schrank hängen noch ihre Kleider, an der Wand ihre Kinderbilder, und den Schreibtisch hat ihre Mutter in einen Schrein verwandelt. Seit dem Tod ihrer damals 24-jährigen Tochter am 1. Mai 2001 wurde hier nichts verändert.

Acht Jahre nach dem aufsehenerregenden Mord an der Praktikantin in Washington kommt es endlich zum Durchbruch. Zu spät für den demokratischen Politiker Gary Condit, dessen Karriere durch seine Liebschaft mit der Frau und durch die Hetzjagd der Medien zerstört wurde.

Jetzt ist klar: Ein illegaler salvadorianischer Migrant soll angeblich für Chandras Tod verantwortlich sein. Sein Name: Ingmar Guandique. Der damals 20-Jährige war nach dem Leichenfund bereits in Verdacht geraten. Hatte Guandique doch zwei Joggerinnen in dem bewaldeten Park mit dem Messer bedroht. Dafür sitzt er hinter Gittern.

Dass erst jetzt der Fall zu einer möglichen Aufklärung kommt, ist ein Teil des Skandals. Denn ohne den investigativen Journalismus der „Washington Post“ wäre der Fall wohl nie gelöst worden. Das Blatt hatte in einer 13-teiligen Serie den Fall noch einmal aufgerollt. Und damit auch die eigene Zunft rehabilitiert. Wie die Hyänen hatten sich die Medien auf den Fall gestürzt. Und schnell einen Schuldigen ausgemacht: Gary Condit, einen damaligen demokratischen Abgeordneten aus Kalifornien. Der schneidige Familienvater war ein Frauenheld und hatte Levy, die von einer Karriere in Washington träumte, kurz nach deren Ankunft dort kennengelernt. Sie wurden ein Liebespaar. Nach Levys Verschwinden wurde Condit, damals 53 Jahre alt, schnell zum Hauptverdächtigen für die Presse. Spekulationen, dass Levy schwanger war und deshalb aus dem Leben Condits verschwinden musste, machten die Runde. Es wurde über ungewöhnliche Sex-Praktiken spekuliert. Condit selbst, der erst nach langem Leugnen die Affäre gestand, wich – wie ein Schuldiger – in einem Fernsehinterview den Fragen aus. Als sich dann noch eine andere Ex-Geliebte meldete, hatte er seine Chancen verspielt. Condit wurde nie des Mordes angeklagt. Es gab keine Beweise.

Schlampereien bei den Ermittlungen verhinderten gleichzeitig, dass der wahre Mörder gefunden wurde. Condit verlor seine Wiederwahl. Er versuchte es mit zwei Eisdielen in Glendale, Arizona. Derzeit ist er nicht aufzufinden. rn

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