Fall Dennis : Behörden wird Versagen vorgeworfen

Vor dem Landgericht Cottbus hat erneut ein Prozess gegen die Eltern des kleinen Dennis begonnen. Das Kind war 2001 im Alter von sechs Jahren an den Folgen von Unterernährung gestorben und von den Eltern zweieinhalb Jahre in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt worden.

Dennis
Erneut vor Gericht: Die Eltern des an Unterernährung gestorbenen Dennis. -Foto: dpa

CottbusIm neu aufgerollten Prozess haben die Verteidiger den Behörden Versagen vorgeworfen. Mit Beweisanträgen wollen sie deren Verhalten insbesondere im Zusammenhang mit der Einschulung des sechsjährigen Jungen durch das Gericht prüfen lassen. "Die Einschulung von Dennis ist damals ohne gesundheitliche Untersuchung und auch ohne Gespräch erfolgt", sagte Pflichtverteidiger Dieter Magsam heute vor dem Landgericht Cottbus.

Seit 1870 gebe es in Deutschland eine Schulpflicht. Diese sei mit einer Gesundheitsfürsorge verbunden. Die Einschulung von Dennis im Mai 2001 sei in die Zeit gefallen, wo der Junge noch am Leben war. Hätte mit Nachdruck ein Gespräch und die obligatorische Schuluntersuchung stattgefunden, wäre der Tod des Kindes am 20. Dezember 2001 noch verhindert worden. Die Strafkammer will bis zum nächsten Prozesstag am Dienstag über die Anträge der Verteidigung entscheiden. Staatsanwalt und Verteidiger wurden jedoch bereits aufgefordert, sich auf ihre Plädoyers vorzubereiten.

Mutter sei überfordert gewesen

In dem neuen Prozess gegen die Eltern des verhungerten Kindes wird lediglich über ein neues Strafmaß verhandelt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil der 1. Großen Strafkammer vom 20. Februar 2007 gegen die Eltern des sechsjährigen Jungen im März aufgehoben. Das Landgericht hatte damals gegen die jetzt 46-jährige Angelika B., Mutter von elf Kindern, und deren sechs Jahre jüngeren Ehemann Falk B. zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes durch Unterlassen verhängt.

Die obersten Richter wandelten den Schuldspruch in Totschlag um und verlangten ein neues Strafmaß. Im Gegensatz zur Begründung des Cottbuser Landgerichts sah der BGH das Mordmerkmal der Grausamkeit nicht ausreichend nachgewiesen. Er begründete, dass die Eltern auch aus Gedanken- und Hilflosigkeit untätig geblieben waren. Zudem seien sie mit den sieben Kindern im Haushalt völlig überfordert gewesen, hieß es in der Begründung.

Der sechsjährige Dennis wurde nach seinem Tod im Dezember 2001 zweieinhalb Jahre später von Polizeibeamten in einer Kühltruhe entdeckt. (mit ddp)

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