Fall Gammy : Die Eltern in Australien werden von Medien belagert

Die Eltern von Gammy und die thailändische Leihmutter widersprechen sich. Angeblich wussten die Eltern nichts von der Existenz des Zwillingsbruders mit Trisomie 21. Der Klinikarzt stellt wiederum alles anders dar.

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Herzt den Kleinen vor der Weltpresse. Pattaramon Chanbua mit Gammy.
Herzt den Kleinen vor der Weltpresse. Pattaramon Chanbua mit Gammy.Foto: AFP

Die thailändische Leihmutter Pattaramon Chanbua herzt und küsst das Kind vor den Kameras der Weltpresse. Der Fall Gammy wühlt die australische Öffentlichkeit auf. Der Junge war im Dezember mit Trisomie 21 und einem Herzfehler geboren worden, seine Eltern hatten nur seine gesunde Zwillingsschwester mit nach Australien genommen und ihn in Thailand zurückgelassen. Inzwischen haben fast 5500 Menschen aus aller Welt, die vom Schicksal Gammys angerührt waren, umgerechnet mehr als 150 000 Euro gespendet.

Die australischen Eltern des sieben Monate alten Jungen behaupteten am Montag, von seiner Existenz nichts gewusst zu haben, die thailändische Leihmutter bezeichnete dies als Lüge. Wer recht hat, ist völlig unklar. In einem Gespräch mit dem staatlichen australischen Fernsehsender ABC erklärten die Eltern, die anonym bleiben wollen, sie hätten die Leihmutter nie getroffen und alle Kontakte über eine Agentur abgewickelt, die mittlerweile nicht mehr existiert. „Wenn sie behaupten, sie hätten nichts gewusst, ist das nicht korrekt, es nicht die Wahrheit“, sagte dagegen die 21 Jahre alte Leihmutter zu einer ABC-Reporterin. „Und wenn sie nichts gewusst haben, warum haben sie dann geweint, als sie das Mädchen aus dem Krankenhaus abgeholt haben?“ Der biologische Vater, ein Mann in den 50ern, habe sich im Krankenhaus um das Mädchen gekümmert, „aber er hat Gammy nie ins Gesicht geschaut oder ihn auf den Arm genommen. Er hat keine Milch für Gammy gekauft, nur für das Mädchen.“

Der Doktor, der die Schwangerschaft und Geburt begleitet hatte, sagte dem „Sydney Morning Herald“, er wisse nicht, ob die Eltern ins Krankenhaus gekommen seien. Der weibliche Zwilling sei ursprünglich auch krank gewesen und hatte einen Monat nach der Geburt im Krankenhaus verbringen müssen. Sowohl die Eltern als auch die Agentur und die Ärzte hätten bereits im vierten Monat der Schwangerschaft gewusst, dass Gammy behindert zur Welt kommen würde. Der Leihmutter sei das erst im siebten Monat mitgeteilt worden. Erst dann sei sie – auf Wunsch der Eltern – durch einen Vertreter der Agentur zu einer Abtreibung aufgefordert worden. Chanbua, die bereits zwei eigene Kinder im Alter von drei und sechs Jahren hat, hatte sich geweigert.

Den Eltern schlägt eine Welle der Empörung entgegen

Den biologischen Eltern, denen in Australien, aber auch anderswo, eine Welle der Empörung und des Hasses entgegenschlägt, erklärten laut ABC: „Wir sahen einige Leute im Krankenhaus. Wir wussten nicht, wer die Leihmutter war, es war sehr verwirrend, es gab eine Sprachbarriere.“ Sie stammen aus der Stadt Bunbury rund 175 Kilometer südlich von Perth am Indischen Ozean. Medienberichten nach haben sie sich einen Anwalt genommen, der sie auch vor der Presse vertreten soll. Die Medien belagern mittlerweile ihr Haus. Sie berichteten, sie hätten jahrelang gespart, um sich die Leihmutterschaft leisten zu können und all ihr verfügbares Geld dafür eingesetzt. Der Leihmutter waren umgerechnet rund 11 000 Euro versprochen worden. Normalerweise erhalten die Vermittleragenturen mindestens noch einmal den selben Betrag. Dazu kommen noch die medizinischen Kosten.

In Australien ist kommerzielle Leihmutterschaft generell illegal, Bürger einiger Bundesstaaten ist es auch verboten, Leihmütter im Ausland zu bezahlen. Die Leihmutter hat inzwischen versprochen, Gammy anzunehmen. „Ich werde ihnen nicht erlauben, mir mein Baby wegzunehmen“, sagte sie.

Für hunderte Eltern, die in Thailand auf ihre von Leihmüttern ausgetragenen Kinder warten, beginnt eine bange Ungewissheit. „Wir haben Dutzende, wenn nicht hunderte australische Familien, die jetzt gespannt warten, was die thailändische Regierung entscheidet“, sagt Sam Everingham, Präsident des Elternnetzwerks Surrogacy Australia, australischen Medien. Die regierende Militärjunta will den Leihmüttergeschäften einen Riegel vorschieben. Bislang laufen die Vereinbarungen mangels Gesetzen in einer Grauzone ab. Die Junta erwägt dem Vernehmen nach womöglich, biologische Eltern, die ihre Kinder mit nach Hause nehmen wollen, gesetzlich zu belangen.

Einem angehenden australischen Vater, der in Thailand auf die Geburt seines Babys durch eine Leihmutter wartete, war die Panik ins Gesicht geschrieben. „Ich mache mir große Sorgen, wie ich aus dem Land komme, ob ich vor ein Gericht gehen muss, um um mein Kind zu kämpfen“, sagte er dem Sender ABC. (mit dpa)

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