Fall Kevin : Zeugin entlastet Sozialamt

Die Bremer Sozialbehörde hat keine Erfolgsprämien für die vorzeitige Entlassung von Kindern aus Pflegeheimen gezahlt. Das sagte die zuständige Abteilungsleiterin vor dem Kevin-Untersuchungsausschuss.

Bremen - Ein derartiges Bonussystem habe es nicht gegeben, sagte die Vertreterin der Behörde vor dem Ausschuss. Das Amt habe zwar einen Vertrag mit einem Kinderheim über ein "abgestuftes Finanzierungsmodell zu flexiblen Leistungen" abgeschlossen. Darin sei es um eine "ergebnisorientierte Entgelterstattung" gegangen. Der Vertrag sei aber nie zur Anwendung gekommen.

Der zwei Jahre alte Kevin war im vergangenen Oktober tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden worden. Kevin stand unter Vormundschaft der Bremer Sozialbehörde. Seit Monaten überprüft ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss Behördenfehler und -versäumnisse im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod des Kindes. Ursprünglich waren die Zeugenvernehmungen am 1. März abgeschlossen worden. Nachdem die Vorwürfe gegen die Behörde wegen möglicher Bonuszahlungen bekannt geworden waren, hatte der Ausschuss die Befragung wieder aufgenommen. Kevin war allerdings nicht in dem betroffenen Heim untergebracht. Seinen Abschlussbericht will der Ausschuss am 25. April vorlegen.

Nach Angaben der Abteilungsleiterin hatten Projektgruppen in Bremen wie auch bundesweit Einsparmöglichkeiten geprüft, um einer Kostenexplosion im Sozialetat zu begegnen. Dies habe auch zu dem Vertrag mit dem Kinderheim geführt. Es sei extrem teuer und aufwendig, Kinder über Monate außerhalb ihrer Familie unterzubringen, sagte die Zeugin vor dem Ausschuss. Vorrangig sei es in der Vereinbarung um die Stärkung und Stabilisierung von Kindern und Eltern gegangen. (tso/dpa)

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