Fall Lea-Sophie : "Gehofft, dass alles normal wird"

Völlig abgemagert und verwahrlost wurde die fünfjährige Lea-Sophie im vergangenen November in ein Krankenhaus gebracht. Kurze Zeit später starb das kleine Mädchen. Zum Prozess-Auftakt in Schwerin räumte der Vater sein Versagen ein.

Lea-Sophie Foto: dpa
Verhungert. Lea-Sophie wurde nur fünf Jahre alt. Ab sofort müssen sich die Eltern vor Gericht verantworten. -Foto: dpa

SchwerinKnapp fünf Monate nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie hat am Schweriner Landgericht unter großem Medieninteresse der Prozess gegen die Eltern des Kindes begonnen. Der 24-jährigen Mutter und dem 26 Jahre alten Vater des Mädchens werden gemeinschaftlicher Mord durch Unterlassen sowie gemeinschaftliche Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Die Eltern seien "gefühlskalt" und "mitleidslos" mit der eigenen Tochter gewesen. Sie hätten sich mit der Möglichkeit des Todes des Mädchens abgefunden.

In dem Prozess will das Gericht auch mögliche Defizite in der Arbeit des Schweriner Jugendamtes beleuchten. Untersuchungen der Stadt und des Stadtparlaments zur Aufklärung der Todesumstände hatten Versäumnisse und organisatorische Mängel in der Behörde aufgedeckt.

Vater sieht Fehler ein

Am ersten Verhandlungstag sind einem Gerichtssprecher zufolge nach der Anklageverlesung mit einem Notarzt, einem Klinikarzt sowie einem Polizeibeamten die ersten Zeugen geladen. Für den Prozess sind vorerst neun Verhandlungstage angesetzt. Insgesamt sollen 15 Zeugen gehört werden. Für den 4. Juni sind die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorgesehen. Am 9. Juni soll voraussichtlich das Urteil gesprochen werden.

Der Vater hat zu Beginn des Prozesses eingeräumt, zu spät auf den besorgniserregenden Zustand des Kindes reagiert zu haben. Nach der Geburt ihres Bruders im September 2007 habe das Mädchen kaum noch Nahrung zu sich nehmen wollen und sei zunehmend schwierig geworden. "Ich hatte gehofft, dass alles von allein wieder normal wird", teilte der 26-Jährige in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung mit. Er hatte am 20. November eigenen Angaben zufolge gegen den Willen seiner mitangeklagten Lebensgefährtin den Notarzt gerufen. Das völlig abgemagerte Kind starb kurze Zeit später in der Klinik.

Lea-Sophie war am 20. November in Folge mangelnder Ernährung und Flüssigkeitszufuhr in einem Krankenhaus gestorben. Sie wog zuletzt 7,4 Kilogramm. Außerdem waren bei ihr Geschwüre am Gesäß und Rücken aufgrund von Verwahrlosung festgestellt worden. (tbe/dpa/ddp)

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