Fall Madeleine : Blut im Leihwagen von Maddies Eltern?

Die Mutter der vor vier Monaten verschwundenen Madeleine soll noch heute offiziell zur Verdächtigen erklärt werden. Im Mietwagen der Familie sollen Blutspuren gefunden worden sein. Die Ermittler sind mittlerweile fast sicher, dass Maddie tot ist.

Mutter Maddie
Doch verdächtig? Die Mutter der vermissten Madeleine verlässt nach dem Marthon-Verhör die Polizeistation an der Seite ihres...Foto: AFP

LissabonVier Monate nach dem rätselhaften Verschwinden der kleinen Madeleine ist ihre Mutter Kate McCann fast elf Stunden lang von der portugiesischen Kriminalpolizei verhört worden. Im Laufe des heutigen Tages solle das Verhör in der Zentrale der Kriminalpolizei in Portimão allerdings fortgesetzt werden, hieß es in Medienberichten unter Berufung auf Polizeikreise. Anschließend solle auch Madeleines Vater, Gerry McCann, erneut vernommen werden. Das britische Ärzte-Ehepaar wird damit erstmals getrennt von den Ermittlern befragt.

Die Mutter der seit vier Monaten vermissten kleinen Madeleine soll heute offiziell zur Verdächtigen erklärt werden, teilte der Sprecher der Familie mit. Die portugiesische Polizei werde die Einstufung von Kate McCann als Verdächtige vermutlich noch heute bekanntgeben, meldete der Sender unter Berufung auf den Sprecher der Familie McCann. Möglicherweise werde auch Madeleines Vater, Gerry McCann, nach Verhören als verdächtig eingestuft, mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun zu haben, berichtete die BBC.

Wut und Enttäuschung

Die Einstufung von Maddies Mutter als "Arguido" (Verdächtiger) bedeutet nicht, dass sie festgenommen wird oder unter Anklage steht. Laut einem Sprecher der Familie habe die Polizei mindestens 22 konkrete Fragen, deren Natur es nach portugiesischem Recht erforderlich mache, die Mutter als Verdächtige einzustufen. Als offiziell Verdächtige darf sie die Aussage verweigern und kann Ansprüche auf Vertretung durch ihre Anwälte gelten machen.

In ersten Reaktionen zeigten sich Freunde und Familienmitglieder empört über die Entscheidung der Ermittler. "Es ist einfach unglaublich, welche Richtung die Polizei nun einschlägt", sagte Kates Schwager John McCann gegenüber BBC. Doch müsse erst einmal abgewartet werden, "wie sich die Dinge in Portugal entwickeln". John Corner, der Pate der kleinen Zwillinge der McCanns, berichtete BBC von einem Telefonat mit Kate McCann vom Vortag: "Sie glaubt, dass die Polizei sie für die Mörderin ihrer Tochter hält. Sie ist außer sich - aber auch furchtbar enttäuscht." Sie sei vor allem darüber erschüttert, dass die Polizei nun offenbar nicht mehr nach Madeleine suche.

Unterdessen hat sich die Sprecherin der McCanns, Justine McGuinness, beim britischen Fernsehsender Sky News zu Wort gemeldet und die Vorwürfe gegen Kate McCann als "lächerlich" bezeichnet. "Es gibt diese aberwitzige Andeutung,  dass in dem Leihwagen Blut gefunden wurde, den die Familie 25 Tage nach Maddies Verschwinden gemietet hatte - und darüber haben sie Kate befragt", präzisierte McGuinness die Vorwürfe der portugiesischen Kriminalpolizei.


Überdosis Medikamente als Todesursache?

Nach britischen Medienberichten geht die portugiesische Polizei inzwischen davon aus, dass das Mädchen nicht mehr am Leben ist. Die Laboranalysen von Blutresten, die vor einigen Wochen von Spürhunden in der Ferienwohnung der Familie entdeckt worden seien, hätten diese Vermutung verstärkt. Dagegen habe die Polizei ihre ursprünglich aufgestellte Hypothese, Madeleine sei das Opfer einer Entführung geworden, mittlerweile praktisch aufgegeben.

In Londoner Zeitungen wurde am Freitag erneut über mögliche Verdachtsmomente der Polizei gegen die Eltern von Madeleine spekuliert. So will die Boulevardzeitung "Sun" erfahren haben, dass Ermittler auch der Vermutung nachgehen, die beiden Ärzte hätten ihrer Tochter versehentlich eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht und sie dadurch unabsichtlich getötet.

Madeleine war am 3. Mai aus einem Ferienappartement an der Algarve-Küste in Südportugal verschwunden. Ihre Eltern hatten mit einer beispiellosen öffentlichen Suchaktion auf den Fall aufmerksam gemacht. (mit dpa)