Fall Madeleine : Die Suche geht weiter

Madeleines Eltern sind wieder in Großbritannien – sie fühlten sich in Portugal ungerecht behandelt.

Markus Hesselmann,Ralph Schulze
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Zurück in der Heimat. Gerry und Kate McCann mit ihren zweijährigen Zwillingen Sean und Amelie. -Foto: AFP

London/MadridSie kamen im Mai als eine von so vielen britischen Familien, die in den Ferienresorts an der portugiesischen Küste Urlaub machen. Eine Woche hatte das Ärzteehepaar Kate und Gerry McCann für sich und seine drei Kinder gebucht. Nach mehr als vier Monaten sind sie am Sonntagmittag in ihre Heimat zurückgekehrt – weltweit bekannt als das britische Paar, das verzweifelt nach seiner vermissten Tochter Madeleine sucht und dann selbst in Verdacht geriet, mit dem Verschwinden des vierjährigen Mädchens etwas zu tun zu haben.
Mit den zweijährigen Zwillingen Sean und Amelie auf dem Arm stiegen Kate und Gerry McCann die Gangway am Flughafen East Midlands herunter. Sohn Sean schlief an seiner Schulter, als Gerry McCann ein Statement für die wartenden Journalisten verlas. „Wir sind zurückgekehrt, wie wir das bereits vor einiger Zeit geplant hatten“, sagte Gerry McCann. „Wir wollen, dass die Zwillinge möglichst normal leben können, in ihrem Heimatland.“ Die Ereignisse der vergangenen Tage seien zutiefst beunruhigend gewesen. „Es bricht uns das Herz, dass wir ohne Madeleine zurückkehren. Aber wir geben die Suche nach ihr nicht auf.“ Gerry McCann betonte, ihre Rückreise sei mit „vollständiger Zustimmung der portugiesischen Behörden erfolgt“. Tatsächlich hatte am Morgen eine portugiesische Polizeieskorte die Fahrt der Familie von der Ferienwohnung zum Flughafen gesichert und ein Dutzend Fernsehteams auf Distanz gehalten.

Wie Gerry McCann nach der Ankunft in der Heimat weiter mitteilte, würden er und seine Frau durch portugiesische Gesetze gehindert, mehr über die Ermittlungen mitzuteilen, „obwohl wir so viel zu sagen hätten“. Eins aber sei wichtig: „Wir haben keinen Anteil am Verschwinden unserer lieben Tochter Madeleine.“ Hier brach die sonst so feste Stimme McCanns. Bereits in den letzten Tagen hatten die McCanns angedeutet, dass sie sich von der portugiesischen Öffentlichkeit wie von der Polizei ungerecht behandelt fühlten. Der Albtraum, der mit dem Stimmungsumschwung in den Medien und der Wende bei den Ermittlungen begann, werde „immer schlimmer“.

In den Tagen vor ihrer Abreise waren die McCanns von der portugiesischen Polizei offiziell zu Verdächtigen erklärt und befragt worden. Aufgrund welcher Ermittlungsergebnisse die Eltern unter Verdacht gerieten, teilte die Polizei nicht mit. In portugiesischen und britischen Medien wird darüber meist unter Berufung auf Familienangehörige und Ermittlerkreise spekuliert. Angeblich seien in einem Wagen, den die McCanns nach dem Verschwinden ihrer Tochter Anfang Mai gemietet hatten, DNA-Spuren Madeleines gefunden worden. Dies könnte bedeuten, dass die Eltern das Kind – möglicherweise ungewollt – zum Beispiel durch eine Überdosis Beruhigungsmittel getötet hätten und dann die Leiche beseitigen wollten. Unter Berufung auf das Labor in Birmingham, das entsprechende Proben ausgewertet habe, zog die Zeitung „Sunday Times“ die Beweiskraft dieser Funde am Sonntag aber in Zweifel. Es sei nicht klar, ob die angeblich im Leihwagen der McCanns gefundenen DNA-Spuren tatsächlich von Madeleine stammten.

Britische und portugiesische Behörden kooperieren im Fall Madeleine. Die Eltern des Mädchens durften ausreisen, müssen sich aber für weitere Befragungen in Portugal jeweils innerhalb von fünf Werktagen zur Verfügung stellen. Jedenfalls können sich die McCanns nach portugiesischen Justizangaben in ihrem Heimatort Rothley frei und ohne Auflagen bewegen. Die britische Innenministerin Jacqui Smith sagte der BBC am Sonntag, dass Großbritannien „mit seiner weltweit führenden kriminaltechnischen Expertise“ die Ermittlungen in Portugal weiterhin unterstützen werde. Der Fokus liege dabei auf der Suche nach dem vermissten Kind. Damit dieses Anliegen nicht in den Hintergrund gerät, wollen die McCanns den britischen Außenminister David Miliband um Hilfe bitten, berichtete am Sonntag die BBC.

Kate und Gerry McCann, die nach dem Verschwinden ihrer Tochter die Öffentlichkeit gesucht hatten, baten am Sonntag darum, ihre Privatsphäre künftig zu respektieren. Bei ihrer Rückkehr in ihr Haus in Rothley bei Leicester wartete allerdings schon ein ganzer Pulk von Reportern, Fotografen und Kameraleuten.

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