Fall Madeleine : Dolmetscher unter Verdacht

Die portugiesische Polizei hat einen Verdächtigen im Fall der entführten Madeleine festgenommen. Bei dem Mann handelt es sich um einen Übersetzer, der bei den Ermittlungen behilflich war.

Madeleines Mutter Foto: AFP
Madeleines Mutter: Vier Millionen Euro für Hinweise.Foto: AFP

London/Praia da Luz - Erste Spur im Fall Madeleine: Bei der Suche nach der in Portugal entführten Vierjährigen hat die Polizei einen Engländer offiziell als "Verdächtigen" eingestuft. Der 32 Jahre alte Mann sei zuvor verhört worden, berichtete der Sender BBC aus dem portugiesischen Badeort Praia da Luz. Spezialisten der Spurensicherung durchsuchten dort das Haus seiner Mutter in Sichtweite des Tatorts. Der Brite war dort zu Gast.

Das Haus wurde mittlerweile versiegelt, berichtete die BBC weiter. Videos und ein Computer seien für weitere Ermittlungen abtransportiert worden. Für den Bericht einer portugiesischen Zeitung, der Brite habe pädophile Internetseiten frequentiert, gab es keine Bestätigung. Der Mann wurde nach einem langen Verhör als Verdächtiger eingestuft, jedoch zunächst nicht verhaftet.

Die Ermittler bestätigten lediglich, dass im Zusammenhang mit der Suche nach der vierjährigen Madeleine drei Personen als Zeugen befragt wurden. Eine Deutsche und ein Portugiese hätten nach der Befragung die Polizeistation in dem Ort Portimao verlassen dürfen. Sie hatten beruflich mit dem Engländer zu tun, der bis vor knapp zwei Jahren in der ostenglischen Grafschaft Norfolk lebte. Er soll sich in Südportugal als Immobilienmakler versucht haben, ehe er dort als Übersetzer arbeitete.

Freiwillige Helfer

Der in Portugal aufgewachsene Brite und seine Mutter (71), die seit mehr als vier Jahrzehnten in Praia da Luz lebt, hatten sich gleich nach dem Verschwinden Madeleines am 3. Mai als freiwillige Helfer angeboten. Der Mann betätigte sich als Dolmetscher für die Polizei, Madeleines Eltern und die Journalisten. Seine Mutter richtete einen Informationsstand ein, wo Hinweise für die Suche nach dem Kind auch anonym hinterlassen werden konnten.

Laut BBC war der Engländer durch Hinweise einer Londoner Boulevardreporterin unter Verdacht geraten. Sie hatte ihn bei der Polizei angezeigt, weil er Reportern sagte, er habe in England eine vierjährige Tochter, die der entführten Madeleine ähnlich sehe. Dies wurde später durch frühere Nachbarn des Mannes in Norfolk bestätigt, wo das Kind bei dessen geschiedener Frau lebt. Ein Onkel des Mannes sagte Reportern, dieser habe für die Zeit des Verschwindens von Madeleine ein Alibi.

Eltern gründen Fonds für Madeleine

Unklar war zunächst auch, ob der Engländer auf eigenes Verlangen zum Verdächtigen erklärt wurde. Nach portugiesischem Recht könnte er gefordert haben, diesen Status zuerkannt zu bekommen. Dadurch hätte er unter anderem das Recht, Angaben nur noch im Beisein eines Anwalts zu machen oder Aussagen zu verweigern, die ihn belasten könnten. Die Polizei lehnt dazu unter Hinweis auf das schwebende Verfahren weitere Auskünfte ab.

Die Eltern Madeleines (beide 38), die als Ärzte in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire arbeiten, wollen nach eigenen Angaben so lange nicht nach Großbritannien zurückkehren, bis ihre Tochter gefunden wird. Sie kündigten zudem einen öffentlichen Fonds an, in den Spenden für die Suche nach ihrer Tochter fließen sollen. Für Hinweise, die zur sicheren Rückkehr Madeleines führen, sind bislang Belohnungen in Höhe von insgesamt nahezu vier Millionen Euro ausgesetzt worden. (mit dpa)

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