Fall Madeleine : Kripochef macht sich unbeliebt

Der Direktor der portugiesischen Kriminalpolizei ist mit seinen jüngsten Äußerungen über den Fall Madeleine in die Kritik geraten. Doch noch immer gehen Experten von einer möglichen Schuld der McCanns aus.

LissabonDirektor Alípio Ribeiro hatte in einem Interview eingeräumt, es sei voreilig gewesen, die Eltern des britischen Mädchens formell verdächtigt zu haben. Bei den Ermittlern herrsche Unmut über diese Einschätzung, berichtete die portugiesische Presse. Die Beamten gehen demnach weiter davon aus, dass Kate und Gerry McCann etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun gehabt haben.

Nach Informationen der Zeitung "Diário de Notícias" hatten sich einige Ermittler seinerzeit dafür ausgesprochen, die Eltern festzunehmen. Politischer Druck aus Großbritannien habe dies aber verhindert. "Es ist schwierig, in einem Land zu arbeiten, das eher einer Bananenrepublik gleicht", zitierte das Blatt einen Beamten, der sich über die Äußerungen Ribeiros geärgert habe. Der Vorsitzende des Staatsanwaltsverbandes, António Cluny, mahnte den Kripochef, sich nicht über laufende Ermittlungsverfahren zu Wort zu melden. Dieses Verhalten sei "extrem besorgniserregend".

Ribeiro hatte erklärt, bei der Einstufung der Eltern als Verdächtige habe es "ein gewisses Maß an Überstürzung" gegeben. Der Sprecher von Madeleines Eltern, Clarence Mitchell, hatte daraufhin gefordert, Kate und Gerry McCann nicht länger zu verdächtigen. Nach portugiesischem Recht kann dieser Status eigentlich nur am Ende eines Ermittlungsverfahrens aufgehoben werden. Die Staatsanwaltschaft könne jedoch Ausnahmen machen, berichtete die Zeitung "Público".

Madeleine war vor neun Monaten aus einer Ferienwohnung an der Algarve-Küste verschwunden. Die portugiesische Polizei äußerte im Zuge der Ermittlungen den Verdacht, dass das Mädchen durch einen Unfall zu Tode kam und die Eltern die Leiche versteckten. Vier Monate nach Madeleines Verschwinden waren diese offiziell zu Verdächtigen erklärt worden. Das Paar beteuert hingegen seine Unschuld und hält daran fest, dass seine Tochter entführt wurde und noch lebt. (dm/dpa)

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