Fall Madeleine : Polizei findet Blutspuren in Maddies Zimmer

Drei Monate nach dem Verschwinden der kleinen Madeleine aus einer portugiesischen Ferienanlage glaubt die Polizei offenbar nicht mehr an einen Entführungsfall. Laut Presseberichten soll jemand versucht haben, Blutspuren im Zimmer des Mädchens zu beseitigen.

Madeleine
Genug belastendes Material? Die Polizei übergibt den Fall Madeleine an die portugiesische Staatsanwaltschaft. -Foto: AFP

LissabonDie Ermittler haben anscheinend kaum noch Hoffnung, das vierjährige Mädchen noch lebend zu finden. Die portugiesische Kriminalpolizei geht nach Presseberichten immer stärker von der Annahme aus, dass die Vierjährige nicht entführt, sondern in ihrem Zimmer in einer Ferienanlage an der Algarve-Küste zu Tode gekommen ist.

In der Ferienwohnung, aus der das Mädchen Anfang Mai spurlos verschwunden war, seien Blutspuren entdeckt worden, berichtete die Zeitung "Jornal de Notícias". Danach durchsuchten die Ermittler nochmals mit Hilfe von britischen Leichenspürhunden und Infrarotlampen das Zimmer, aus dem Maddie am 3. Mai verschwunden war. Die Ermittler nehmen nun an, dass das Blut von Madeleine stamme. Jemand habe versucht, die Blutspuren an einer Wand zu beseitigen.

Mordfall oder Unglück?

Damit die britischen Spezialhunde die Geruchsspuren einer Leiche erschnüffeln können, muss das Opfer mindestens zwei Stunden lang tot gewesen sein, erklärte einer der Polizeispezialisten der Zeitung "Correio da Manha". Die Ermittler glaubten deshalb, dass Maddie ermordet wurde oder tödlich verunglückte und ihre Leiche erst nach "zwei bis vier Stunden" aus dem Zimmer entfernt wurde. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Die Polizei machte offiziell keine Angaben zum Fortgang der Ermittlungen. Sie schloss die Durchsuchung des Wohnhauses des bislang einzigen Verdächtigen vorerst ab. Nach Presseberichten verlief die Suchaktion ergebnislos. Daran waren neben portugiesischen Kriminalpolizisten auch britische Experten beteiligt. Bei der Operation war das Haus eines an der Algarve-Küste lebenden Briten gründlich durchsucht und der Garten teilweise umgegraben worden.

Zweiter Verdächtiger in Großbritannien

Die Beamten fanden keine Spuren von Madeleine, wie die portugiesischen Zeitungen übereinstimmend berichteten. Der verdächtige Brite hatte stets bestritten, mit dem Verschwinden von Madeleine etwas zu tun gehabt zu haben. Sein Anwalt äußerte die Hoffnung, dass sich nach der Suchaktion rasch die Unschuld seines Mandanten erweisen werde. Die Boulevardpresse in Großbritannien berichtete, es gebe mittlerweile einen zweiten Verdächtigen. Dabei handele es sich um einen Mann, der Kontakt zu dem Briten gehabt haben soll, dessen Haus soeben durchsucht wurde. Der neue Verdächtige werde seit mehreren Wochen überwacht. (mit AFP/dpa)