Fall Maria : Eltern aus aller Welt melden sich

Das Rätselraten um die Identität und die Herkunft der kleinen Maria geht weiter. Das blonde Mädchen wurde in einem Roma-Lager in Griechenland gefunden. Jetzt schicken Ehepaare DNA-Proben ein - in der Hoffnung, dass es sich bei Maria um ihre vermisste Tochter handelt.

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Maria ist fünf oder sechs Jahre alt, ergaben Zahnuntersuchungen. Foto: REUTERS
Maria ist fünf oder sechs Jahre alt, ergaben Zahnuntersuchungen.Foto: REUTERS

Wer ist das blonde Mädchen aus dem Roma-Lager in Griechenland, wo sind die Eltern des Kindes, das auf den Namen Maria hört? Rund 8000 telefonische Anfragen hat die Hilfsorganisation „Das Lächeln des Kindes“, in deren Obhut sich das kleine Mädchen seit dem Wochenende befindet, bereits bekommen. Mehr als 200 000-mal wurde in den vergangenen Tagen die Internetseite der Organisation besucht, und Ehepaare aus sieben Ländern haben DNA-Proben nach Griechenland geschickt – in der Hoffnung, dass es sich bei der kleinen Maria um ihre vermisste Tochter handelt. Aber immer noch ist die Geschichte des „blonden Engels ohne Identität“, so die Zeitung „Ta Nea“, ein Rätsel.

In Griechenland ist Sozialbetrug weit verbreitet

Maria ist mindestens fünf bis sechs Jahre alt statt nur vier, wie ursprünglich vermutet wurde. Das ergaben zahnärztliche Untersuchungen, wie Behörden am Montag mitteilten. Das Ehepaar, bei dem Maria entdeckt wurde, sagte am Montag in Larissa vor dem Haftrichter aus und wurde anschließend in U-Haft genommen. Nach ersten Informationen blieb der 39-jährige Mann bei seiner Aussage, nach der eine Bulgarin dem Paar das Kind anvertraut habe, weil sie es nicht großziehen könne. Den Behörden bot der Mann demnach Hilfe bei der Suche nach den leiblichen Eltern des Kindes an. Zur Aussage der 40-jährigen Frau gab es zunächst keine Informationen.

Familien leihen sich oft Kinder gegenseitig aus, um sie als eigene auszugeben

Polizisten hatten das Kind vergangene Woche während einer Razzia bei einer Roma-Familie im mittelgriechischen Farsala entdeckt. Das Roma-Paar gab das blonde Kind zunächst als sein eigenes aus, was aber durch Genanalysen widerlegt wurde. In den bisherigen Vernehmungen verwickelten sich die Eheleute in Widersprüche: Mal erklärten sie, das Kind stamme aus einer außerehelichen Affäre der Mutter mit einem kanadischen Touristen, dann hieß es, sie hätten das Kind vor einem Supermarkt gefunden. Eine weitere Version lautet, eine junge Mutter habe ihnen das Neugeborene anvertraut, weil sie es nicht selbst versorgen konnte. Gegen das Paar wird nun wegen Kindesentführung und Kinderhandel ermittelt. Nachbarn aus der Siedlung erklärten unterdessen, das Kind stamme von einem Roma-Paar aus Bulgarien. Es habe die Tochter abgegeben, weil es bereits fünf Kinder hatte. Diese Version verbreitet auch der Vorsteher des Roma-Lagers.

Der Fall der kleinen Maria wirft ein Schlaglicht auf den in Griechenland offenbar weitverbreiteten Sozialbetrug mit erschlichenen Kindergeldbezügen. Die Roma-Frau hatte zwei Personalausweise und zwei Familienstammbücher. Sie will angeblich in 20 Monaten nacheinander sechs Kinder zur Welt gebracht haben. Ihr Mann hat ein weiteres Stammbuch mit vier Kindern. Insgesamt hatte das Paar in drei verschiedenen Gemeinden 14 Kinder angemeldet, für die es nach Angaben aus Polizeikreisen fast 2800 Euro Kindergeld im Monat kassierte. In der Behausung der Familie traf die Polizei aber nur vier Kinder an, darunter die kleine Maria.

Die Regierung will grundsätzlich DNA-Tests einführen, um die Mutterschaft zu klären

Die Ermittler vermuten, dass die anderen zehn Kinder nur auf dem Papier existieren. Wenn Familien gegenseitig Kinder ausleihen, um sie bei den Behörden zu registrieren, könnten mehrere Familien für ein und dasselbe Kind Zuschüsse kassieren. In Griechenland kann man bei den Behörden nach Belieben Kinder melden, die angeblich in der eigenen Wohnung zur Welt gekommen sind. Eine eidesstattliche Erklärung der angeblichen Mutter und die Bestätigung durch zwei Zeugen reichten bisher aus. Jetzt will die Regierung die Vorschriften ändern: Mutter und Kind müssen sich künftig einem DNA-Test unterziehen. Die Roma-Frau, die sich als Mutter der kleinen Maria ausgab, scheint besonders dreist vorgegangen zu sein. Mit ihren zwei Personalausweisen soll sie mehrfach bei den Behörden in einer Doppelrolle aufgetreten sein, als Mutter und als Zeugin.

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