"Familienehre-Prozess" : Verteidigung fordert bis zu drei Jahre Haft

Die Schwester geschlagen, mit dem Gewehr auf deren Freund losgegangen: Im Prozess gegen zwei türkische Männer vor dem Münchner Landgericht hat die Verteidigung bis zu drei Jahre Gefängnis gefordert.

München - Im so genannten Familienehre-Prozess vor dem Münchner Landgericht hat die Verteidigung auf bis zu drei Jahre Haft für den Hauptangeklagten plädiert. Der 23 Jahre alte Türke Hakan Ö. hatte bereits zum Prozessauftakt im April gestanden, seine zur Tatzeit minderjährige Schwester und deren Liebhaber geschlagen und mit einem Messer bedroht zu haben. Damit habe er die Ehre seiner Schwester retten wollen, die seiner Ansicht nach gegen die traditionelle Regel "Kein Sex vor der Ehe" verstoßen hatte.

Sein mitangeklagter Freund Oguc A. soll zudem versucht haben, den deutsch-türkischen Liebhaber der Schwester zu erschießen. Für diesen forderte die Verteidigung eine zweijährige Haftstrafe, weil dieser gewusst habe, dass die Waffe, mit der er den Liebhaber bedroht habe, nicht entsichert gewesen sei. Das für den Nachmittag erwartete Urteil wurde verschoben.

Hakan Ö. muss sich vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung sowie Geiselnahme verantworten. Er soll im Mai 2005 seine Schwester und deren Freund aufs Übelste misshandelt und ihnen gedroht haben, sie mit dem Messer zu töten.

Anschließend soll er drei Freunde verständigt haben, die den Geliebten der jungen Frau entführt haben sollen. An den Gleisen des Südbahnhofs München soll dann Oguc A. versucht haben, den Mann zu erschießen. Dies sei jedoch misslungen, weil die Waffe nicht funktioniert habe. Nachdem sich der Liebhaber abermals bei dem Bruder entschuldigt hätte, habe dieser ihn gehen lassen. (tso/ddp)

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