Fantasy-Rollenspiel : Gnome und Orks in Niedersachsen

Eine Wiese mitten im deutschen Flachland: Normalerweise weiden dort Pferde und Kühe. Doch für ein paar Tage treiben jedes Jahr im August Orks, Ritter und Elben ihr Unwesen.

Julia Spurzem[ddp]
Fantasy-Rollenspiel
In Brokeloh findet das weltweit größte Fantasy-Rollenspiel statt. -Foto: ddp

BrokelohAuf der Wiese wird gehandelt und geheilt, gezaubert und gekämpft: Sie hat sich verwandelt in die Welt von Mythodea, eine Welt wie aus dem Märchen, in der jeder eine Rolle spielt. Das "ConQuest of Mythodea" ist nach Veranstalterangaben das größten Live-Action-Rollenspiel (LARP) der Welt. Jedes Jahr gestalten mehrere tausend Fantasyfans ein mittelalterliches Abenteuer auf der 60 Hektar großen Fläche des Ritterguts Brokeloh. In diesem Jahr schlüpfen sie vom 1. bis 5. August in selbstgewählte Rollen und lassen im Spiel ihren Alltag hinter sich. Alles erinnert ein wenig an den Film "Herr der Ringe".

In diesem Jahr sind rund 4500 Rollenspieler nach Brokeloh gekommen, um für ein paar Tage eine Zeitreise zu unternehmen. Neben Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands sind auch Schweizer, Holländer und Rollenspieler aus Japan und Australien in das 386-Seelen-Dorf gereist, in dem das Fest zum vierten Mal stattfindet. Geschlafen wird in fantasievollen Zelten auf der Wiese.

Turniere und Versteigerungen

Viel Fantasie wenden die Spieler auch für ihre Kostüme auf. Da laufen Edelfräulein in feinem Tuche neben furchterregend geschminkten Orks, Zauberer in Magierkostümen sitzen neben Rittern in imposanten Ritterrüstungen und die mit ihren Spitzohren so lustig wirkenden Elben begegnen schon mal den schwarz gekleideten Untoten.

Die Regeln für das Spiel sind kompliziert und gleichzeitig einfach. Es gibt einen Rahmenspielplan, der insgesamt 400 Seiten umfasst. Den bekommt keiner der Spieler vorher zu sehen. Spielleiter sorgen dafür, dass das Spiel ungefähr in die Richtung geht, die in dem Plan vorgesehen ist. "Aber wie alle Dinge, die geplant sind, läuft am Ende alles anders", sagt Brego Seiffart, einer der Spielleiter. Die Spieler entschieden vieles spontan und sorgten so für den ganz eigenen Charakter des Rollenspiels. Kleine Kampfturniere oder Versteigerungen - vieles wird selber organisiert. Auch der Elb Goblin ist gerade wegen einer spontanen Idee seines Herren in der Stadt unterwegs. Er sucht noch ein paar "Weibchen mit großem Popo" für einen Bauchtanzwettbewerb.

"Hier wird sich nicht permanent geprügelt"

Fantasy-Rollenspiel
Foto: ddp

Einige große Handlungen gibt es dann aber schon. Vor allem die Schlachten sind geplant, denn die gehören zu einem Rollenspiel genauso dazu, wie die Kostüme. Doch wer denkt, es ginge den Rollenspielern nur darum, liegt falsch: "Hier wird sich nicht permanent geprügelt. Das ist Quatsch", versucht Andreas Voigts, Organisator der Kommune, Vorurteile über die Rollenspieler aus dem Weg zu räumen. Natürlich gebe es aber immer mal wieder blaue Flecken, aber das gehöre eben dazu. Damit diese sich in Grenzen halten, werden speziell gepolsterte Waffen verwendet, die auch einen scheinbar harten Schlag abfedern.

Vor allem aber die Orks sind für ihre Brutalität bekannt. "Das Tolle an der Rolle ist, dass wir so richtig böse sein dürfen", sagt Kevin Block, der aus Flensburg nach Brokeloh angereist ist und gerade als einer von insgesamt 150 gruselig aussehenden Orks durch die Stadt von Mythodea stapft. Doch Bösesein ist nur eine Rolle. "Jeder weiß hier, wann Schluss ist", erklärt Christian Degenhardt, der auf dem LARP den Ritter Jeto von Degenhardt spielt. Zeitweise kann man sogar aus dem Spiel aussteigen. Wer die Arme vor seiner Brust kreuzt, spielt derzeit nicht seine Rolle.

Vorfreude aufs nächste Treffen

Degenhardt kommt seit einigen Jahren zu dem Rollenspiel nach Brokeloh und ist immer wieder begeistert. "Wenn man nach den Tagen hier nach Hause kommt, ist man erstmal müde und fertig. Aber dann freut man sich schon wieder auf das nächste Jahr", sagt er. Das Schöne an dem Spiel sei, dass es keinen Unterschied mache, was man sonst im Leben mache oder woher man komme, hier spiele jeder nur seine Rolle, die er sich gebe.

Anders als im normalen Leben hat zudem jeder einen Bonus: Jeder Spieler hat drei Leben. Erst wer drei Mal mit einer Waffe schwer getroffen wird, gilt als tot. Bei den großen Schlachten kann das schon mal vorkommen. Doch dann sucht man sich eben zur Not eine neue Rolle. Ist eben alles nur ein Spiel. (mit ddp)