Welt : Fasching: Bremen macht den Anfang

Die Karnevalsmuffel kommen langsam auf den Geschmack. In immer mehr einst karnevalsfreien Städten greift närrisches Treiben um sich. Anfänger erkennt man meist sofort.

Bremen und die niedersächsische Kleinstadt Damme wollen dadurch Aufmerksamkeit erregen, dass sie für deutsche Karnevalsbräuche eine Woche zu früh beginnen. In Bremen stieg am Sonnabend der so genannte Sambakarneval. Mehr als 1000 Trommler, Maskenträger und Tänzer aus dem In- und Ausland verbreiteten gute Laune bei den 20 000 Schaulustigen. Die Künstler ließen sich von verschiedenen asiatischen Traditionen inspirieren: den Masken der Peking Oper, den Statuen hinduistischer Götter, dem Rhythmus japanischer Trommler und der rituellen Kraft östlicher Feste.

Der Bremer Karneval führt damit nach eigenen Angaben eine Tradition fort, in der der alemannische Brauch der Winteraustreibung eine enge Verbindung mit Elementen aus anderen Kulturen eingeht. Da begegnet die kalte Jahreszeit des Nordens heißen Rhythmen aus Brasilien, europäisches Brauchtum trifft auf fernöstliche Tänze, und Maskenspieler sprengen mit überschäumender Fantasie alle kulturellen Grenzen - und das ohne Alaaf, Helau, Prinzenpaare und Büttenreden.

70 000 Jecken kamen am Sonntag zur größten Karnevalsparty Norddeutschlands in die Kleinstadt Damme. Rund 5000 Zugteilnehmer zogen durch die 15 000-Einwohner-Stadt, die sich während der tollen Tage "Dammensia" nennt. Am Straßenrand verfolgten die Menschen die bunten Kostüme und selbstgefertigten Motivwagen zu aktuellen Themen wie BSE, Ökosteuer und US-Wahl.

Musik, Bonbon- und Konfettiregen, "Helau"-Rufe: Ausweichmöglichkeiten für Anti-Narren gab es nicht.

Auch am Montag bleiben Geschäfte und Behörden geschlossen, Schulkinder haben frei. "Nur die Banken öffnen kurz, damit die Jecken sich vor dem Umzug mit Geld versorgen können", sagte Andreas Herzog von der Stadtverwaltung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben