Fashion Week für jedermann : Vom Skizzenbuch bis zur Kleiderstange

Wie eine Kollektion entsteht und woran Designer gerade arbeiten: An vielen Orten in Berlin kann man zur Fashion Week Mode erleben. Die Veranstaltungen sind offen für jedermann. Ein Überblick.

Regina Lechner, Lisa Kober
Mehr als Kleidung. Im Bikini-Haus kann man Mode nicht nur kaufen, sondern sie auch selber machen und als Kunst genießen.
Mehr als Kleidung. Im Bikini-Haus kann man Mode nicht nur kaufen, sondern sie auch selber machen und als Kunst genießen.Foto: Promo

Dan Winkler kniet auf dem Boden, vor ihm ausgebreitet liegt ein dünner Filzstoff. Mit der Schneiderkreide in der Hand legt er den Schnitt auf. Gleichzeitig beantwortet er neugierige Fragen, denn der Modestudent arbeitet nicht in aller Ruhe zu Hause oder in den Räumen einer Universität, sondern vor Publikum. Zusammen mit seinem Kommilitonen des Lette-Vereins nimmt Dan Winkler am neuen Pilotprojekt von Mercedes-Benz teil.

Bis zum 22. Juli gibt es im ersten Stock des Einkaufszentrums Bikini Berlin interaktive Vorträge, Workshops, eine Ausstellung und die Möglichkeit zu sehen, wie Kollektionsteile in Handarbeit entstehen. Dozenten der Modeschulen des Lette-Vereins, der AMD Berlin und der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) werden dort abwechselnd mit ihren Schülern an Kollektionen arbeiten. „Es wird gezeichnet, zugeschnitten, genäht, drapiert und sicher auch viel diskutiert werden, wie eben im ganz normalen Arbeitsalltag eines Designers“, sagt der Dozent Jochen Pahnke. Neben dem offenen Arbeitsatelier gibt es auch eine Modeausstellung der Modedesigner Roshi Porkar, Satu Maaranen und Steven Tai zu sehen. Die drei haben quadratische Holzboxen entworfen, in denen man jeweils ein Kollektionsstück und dessen Entstehungsgeschichte sehen kann. „Man schaut dann natürlich auch mal rüber zu den Profis“, sagt Dan Winkler. In ein paar Jahren stehen die jungen Studenten vielleicht selbst mal auf der anderen Seite.

Berliner Modeschulen nutzen die Fashion Week, um Arbeiten ihrer Studenten einem Publikum zu präsentieren

Die Workshops finden abends statt, willkommen sind je nach Workshop Modestudenten, aber auch jeder, der sich in Sachen Mode weiterbilden möchte. Für den Workshop der Kindermodedesignerin Esther Zahn, die mit Licht Kinderaugen und Kleidung zum Strahlen bringt, braucht man Grundkenntnisse im Nähen, für den Styling Workshop von HTW-Dozentin Nina Hein einfach nur Lust am Entwerfen und die Bereitschaft, sich beim anschließenden Fotoshooting selbst vor die Kamera zu stellen. Am vorletzten Tag wird beim „Fashion Slam“ ein Praktikum beim veganen Label Umasan vergeben, Bewerbungen werden noch angenommen. Das Programm und die Anmeldungsvoraussetzungen gibt es auf www.mb-studio.net.

Wann ist Mode Kunst?

Nicht nur Berliner Modeschulen nutzen die Fashion Week, um die Arbeiten ihrer Studenten einem Publikum zu präsentieren. Die Absolventen des Düsseldorfer Fashion-Design-Instituts stellen morgen im Hotel Adlon ihre Abschlusskollektionen aus. Die private Modeschule wurde 2008 von der Designerin Inna Thomas gegründet. Der Showroom ist von 11.30 bis 16.30 Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei.

Wann ist Mode Kunst? Darüber haben sich acht junge Designer aus Litauen Gedanken gemacht und dieses Thema mit den Mitteln der Bildenden Kunst umgesetzt. In der Panke zeigen sie Objekte, Installationen, Audio- und Videoarbeiten, die ästhetischen Fragestellungen nachgehen, aber auch der Modeindustrie einen Spiegel vorhalten. Die Ausstellung kann man bis 13. Juli täglich zwischen 12 und 22 Uhr besuchen.

Fashion Week in Berlin
Glitzertop und Streifenanzug. Von Michalsky, wem sonst?Weitere Bilder anzeigen
1 von 88Foto: dpa
10.07.2014 16:43Glitzertop und Streifenanzug. Von Michalsky, wem sonst?

Schon lange im Berliner Modebusiness ist Thoas Lindner. Über zehn Jahre lang hat er die Männerkollektionen des Labels Butterflysoulfire entworfen. Dann nahm er sich ein Jahr Auszeit, um nun unter seinem eigenen Namen eine neue Unisex-Linie auf den Markt zu bringen. Er stellt sie erstmals während der Fashion Week im Laden von Butterflysoulfire vor. Am Donnerstag, den 10. Juli, gibt es um 19 Uhr eine Modenschau. Die Kollektion ist anschließend noch bis 13. Juli zu sehen.

Bereits seit 2006 entwerfen Anne Hilken und Christian Kurt zusammen unter dem Namen Anntian. In Berlin ist ihr Label aber immer noch ein Geheimtipp, obwohl sie hier leben und arbeiten. Ihre Kollektionen stellen sie bei den Modewochen Paris und Tokio vor und so haben sie international viele Fans gewonnen. Ihre Markenzeichen sind kunstvolle grafische Prints und sportive Schnitte. Einzelteile aus den vergangenen Saisons kann man am kommenden Samstag in der Galerie Panatom erwerben. Die Preise sind um bis zu 80 Prozent reduziert.

Von der polnischen Grafikdesignerin motomuse hat sich das Label Blütezeit Berlin Unterstützung geholt. Bei einer Sommerparty im eigenen Laden werden ihre Originalzeichnungen zu sehen sein, dazu gibt es Musik von DJ Maya, Frontfrau der Berliner Band Cosmo Nova.

Weitere Artikel rund um die Fashion Week in Berlin finden Sie auch auf unserer Modeseite.

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