Welt : Fasten: Religiöses: Ein Akt der Demut

In vielen Kulturen gilt Fasten als eine Form der inneren Reinigung. So enthielten sich in einigen Indianerstämmen junge Männer der Nahrung, bevor sie als vollgültige Stammesmitglieder aufgenommen wurden.

Im alten Israel galt Fasten als Akt der Demut und Buße. Schon die alttestamentarischen Propheten hatten aber Anlass, die Veräußerlichung und Zurschaustellung der Askese zu tadeln, die später Jesus dazu brachte, statt des demonstrativen Fastens in "Sack und Asche" die dezentere Variante "mit gesalbtem Haupt" zu propagieren.

Im Judentum gibt es eine Reihe einzelner Fastentage, zum Beispiel Jom Kippur, den Versöhnungstag.

Die vorösterliche christliche Fastenzeit erstreckt sich vom Aschermittwoch bis zum Ostersamstag. Die 40 Tage leiten sich von Moses und Elias, aber auch von der Fasten- und Gebetszeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm. Doch die Regeln der katholischen Kirche, aus denen im Verlauf der Jahrhunderte zudem zahlreiche raffinierte Fastenspeisen hervorgingen, wirken vergleichsweise milde: Gebotene Fasttage, an denen Erwachsene nur eine Hauptmahlzeit einnehmen und das Fleisch von Warmblütern meiden sollen, sind seit 1966, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, nur Aschermittwoch und Karfreitag. Schon bei den mittelalterlichen Mönchen war nicht völliger Nahrungsverzicht über einen längeren Zeitraum, sondern vor allem der Verzicht auf den Genuss von Fleisch die Hauptregel für einen asketischen Lebensstil, wie Massimo Montanari in seinem spannenden Buch "Der Hunger und der Überfluss" (Beck-Verlag 1999) beschreibt.

Anders im Islam: Im Fastenmonat Ramadan darf nur in der Nacht gegessen werden. Zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang muss sich der Gläubige auch des Trinkens, des Rauchens und des Geschlechtsverkehrs enthalten.

Der Religionsstifter Gautama Buddha lehrte, nachdem er bei den asketischen Mönchen das Heil nicht gefunden hatte, Mäßigung im Fasten, doch viele seiner Anhänger entwickelten strenge Fasten-Regime. Fasten und Kasteiungen dienen dem Hindu dazu, ein gutes Karma zu gewinnen. Eher als politisches Druckmittel setzte der Hindu Mahatma Gandhi die Nahrungsverweigerung ein - und wurde damit weltweit zum Vorbild vieler Hungerstreikender.

0 Kommentare

Neuester Kommentar