Fernsehen : Korruptionsaffäre weitet sich aus

Die Affäre um den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, zieht Kreise. Die Staatsanwaltschaft hat nun auch Räume des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) in Leipzig durchsucht. Unter Verdacht steht der MDR-Abteilungsleiter Sport, Wilfried Mohren.

Leipzig/Frankfurt (Main) (04.07.2005, 15:45 Uhr) - Die Staatsanwaltschaft hat am Montag Räume des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) in Leipzig durchsucht. Die Razzia stehe im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr), Jürgen Emig, sagte Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann der dpa. Es seien das Büro des MDR-Abteilungsleiters Sport, Wilfried Mohren, und drei weitere Objekte durchsucht worden. MDR-Sprecherin Birthe Gogarten bestätigte die Aktion am Arbeitsplatz des 47-Jährigen. «Wir werden selbstverständlich alle Unterlagen zur Verfügung stellen, die die Staatsanwaltschaft benötigt», sagte sie. Vor einer weiteren Stellungnahme müsse der MDR den Fall prüfen.

Laut Oberstaatsanwalt Lehmann besteht der Verdacht, dass MDR-Sportchef Mohren nach einem ähnlichen System wie Emig gearbeitet hat. Emig wird vorgeworfen, im Austausch für TV-Berichte Geld von zwei Marketing-Agenturen erhalten zu haben. Er sitzt mittlerweile wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und des Betrugs in Untersuchungshaft, nachdem das Amtsgericht Frankfurt/Main wegen Verdunkelungsgefahr Haftbefehl erlassen hatte. Der 59 Jahre alte Reporter war vor allem mit seinen Berichten über die Tour de France bekannt geworden.

Im Fall Mohren sollte die Durchsuchung am Nachmittag beendet sein. Aussagen zu beschlagnahmten Unterlagen seien frühestens am Mittwoch möglich, sagte Lehmann. Bereits im vergangenen Jahr war bei der Behörde nach einer anonymen Anzeige ein Verfahren wegen Korruptionsvorwürfen gegen den Sportchef anhängig. Mohren bestritt damals die Vorwürfe, das Verfahren wurde eingestellt. Dieses werde möglicherweise im Zusammenhang mit den neuen Ermittlungen wieder aufgenommen, sagte Lehmann. (tso)

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