Fernsehen : Neue TV-Serien floppen - in Serie

Im Jahr 2008 scheint sich eine Entwicklung fortzusetzen, die schon seit längerem das Medium Fernsehen begleitet: Die Programmmacher haben bei neuen Serienstoffen kein glückliches Händchen. Manches Format verschwindet nach nur eine Folge.

Carsten Rave[dpa]
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Lieber nich': Das sagten auch die Zuschauer zur ARD-Serie ''Mord mit Aussicht''. -Foto: ddp

HamburgDer private Marktführer RTL hat im Januar frühzeitig die Notbremse gezogen. Am 17. Januar wurde nur eine Ausgabe der neuen Serie "Die Anwälte" (2,58 Millionen Zuschauer) mit Kai Wiesinger ausgestrahlt, dann stoppte der Kölner Sender die von Kritikern gelobte Produktion, die lange auf ihren Start gewartet hatte. Wiesinger kritisierte in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" die mangelnde Geduld der Programmverantwortlichen. Auch die neue Serie "Herzog" mit Niels Ruf wurde nach drei Episoden und nur 7,1 Prozent Marktanteil eingestellt.

Balder muss für Sat.1 die Kohlen aus dem Feuer holen

Ähnliche Erfahrungen musste auch Sat.1 machen. Der Berliner Privatsender, dem ohnehin schon mehrere ambitionierte Serienprojekte beim Publikum gescheitert waren, verabschiedete sich nach vier Ausgaben von der Comedyserie "Alles typisch" und nach fünf Folgen von "3 ein Viertel". Freitagabends wurden kurzfristig wieder Hugo Egon Balders "Hit Giganten" ersatzweise eingeschoben. Etwas besser erging es Martin Schneiders Serie "Maddin in Love" und "Two Funny".

Auch die ARD hat ihre Problemzonen. Nach zwei missglückten Anläufen mit neuen Krimiserien am Montagabend im Herbst 2007 sollte der dritte Versuch, "Mord mit Aussicht", den Durchbruch bringen. Doch nach etwa vier Millionen Zuschauern in Folge eins und zwei stand bei den Episoden drei und vier eine zwei vor dem Komma, bei der fünften Geschichte waren es 3,07 Millionen. Auch der ZDF-Dauerbrenner "Forsthaus Falkenau" leidet in der neuen Staffel unter Abnutzung. Nach sieben Folgen schlagen aber trotzdem noch im Schnitt 4,37 Millionen Zuschauer zu Buche.

"Superstars" und "Dschungelcamp" ziehen immer noch

Wer auf Bewährtes setzt und es verfeinert, erntet indes jetzt die Früchte: RTL mobilisierte in den ersten sechs Ausgaben der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" 6,10 Millionen Zuschauer und in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen 33,3 Prozent Marktanteil. Die Dschungelshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" erwies sich mit 31,7 Prozent in der Zielgruppe als voller Erfolg. Auch die Dokusoap "Die Ausreißer", eine geschickte Weiterentwicklung der "Super Nanny", sammelte Punkte.

Ein glückliches Händchen hatte bisher ProSieben mit seiner Show "The next Uri Geller - Unglaubliche Phänomene live" (3,35 Millionen Zuschauer) - Tendenz jedoch: nachlassend. Weniger gut lief es für Katarina Witt und Oliver Petszokat und ihre Show "Stars on Ice". Zufriedenstellend, aber nicht überragend endete für das ZDF das Wagnis mit dem Mammutepos "Krieg und Frieden": 5,45 Millionen Zuschauer schalteten jeden der vier Teile ein. In diesem Fall ist eine Fortsetzung ausgeschlossen: Leo Tolstoi war kein Serienautor.

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