Fernsehen : Niederländische "Spendershow" geht weiter

Die niederländische Regierung wird nicht gegen die geplante "Spendershow" im Fernsehen vorgehen, in der drei Nierenpatienten um die Organe einer todkranken Frau wetteifern.

Den Haag - Im Parlament in Den Haag forderte der christdemokratische Medienexperte Joop Atsma den Erziehungs- und Medienminister Ronald Plasterk von der Arbeitspartei (PvdA) auf, die Ausstrahlung der Sendung zu stoppen.

Plasterk erwiderte: "Eine Fernsehshow über eine Organspende, verbunden mit Spielelementen, beweist keinen guten Geschmack. Es verstieße aber gegen unsere Verfassung, in Medienangelegenheiten zu intervenieren. Wir haben Pressefreiheit." Auf die Frage, wie die Regierung dazu steht, dass die von der Firma Endemol ("Big Brother") produzierte Show im öffentlich-rechtlichen Sender BNN ausgestrahlt werden soll, sagte der Minister: "Öffentliche Medien dienen der Allgemeinheit und sollten ein Beispiel für guten Geschmack und Moral geben. Aber nicht jede Show, die von ihnen produziert wird, ist tatsächlich ein Beispiel für guten Geschmack."

Segensreich oder geschmacklos?

Abgeordnete der linken Parteien kritisierten den Versuch der Christdemokraten (CDA), die Sendung zu unterbinden. Die Fraktionschefin der Grünen, Femke Halsema, hielt der CDA vor, allzu häufig nach staatlicher Intervention bei den Medien zu rufen: "Wir müssen aber unsere Pressefreiheit verteidigen."

Zuvor hatte die EU-Kommission die geplante Sendung kritisiert. "Es wirkt geschmacklos, über ein so ernstes Thema eine Reality-TV-Show zu machen", sagte ein Sprecher in Brüssel.

In der "Großen Spendershow" soll an diesem Freitag die 37 Jahre alte Lisa darüber entscheiden, welcher der drei Kandidaten ihre Nieren erhalten soll. Die Zuschauer können der Todkranken per SMS Empfehlungen geben. Der Gründer des Senders BNN, Bart de Graaf, war vor fünf Jahren an einem Nierenleiden gestorben. Er hatte nie eine Spenderniere erhalten. Mit der Sendung wolle man auf die rückläufige Organspendenbereitschaft in den Niederlanden hinweisen, betonte BNN. (tso/dpa)

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