Welt : Fest der Demut

Am heutigen Donnerstag droht der größte Reiseandrang – an den Flughäfen besserte sich die Lage etwas

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Warum in die Ferne schweifen. Viele werden die Feiertage ganz entspannt zu Hause verbringen. Foto: dpa Foto: dpa
Warum in die Ferne schweifen. Viele werden die Feiertage ganz entspannt zu Hause verbringen. Foto: dpaFoto: dpa

Kurz vor dem Fest kommt etwas Hoffnung auf. Viele der auf Flughäfen Gestrandeten werden ihre Ziele bis Heiligabend möglicherweise doch noch erreichen. Auf dem Frankfurter Flughafen versuchen die Fluggesellschaften, etwa 3500 Passagiere, die zum Teil seit mehreren Tagen warten, zusätzlich unterzubringen. Der Flugbetrieb dort normalisierte sich am Mittwoch etwas, es mussten nur noch 70 Flüge gestrichen werden. Am Vortag waren es noch 500 gewesen. In Tegel und Schönefeld kam es nur noch zu relativ wenigen Annullierungen. In Tegel waren es 24, in Schönefeld 4. Auch die Bahn meldete abgesehen von einigen Verspätungen Normalbetrieb.

Das war gestern. Am heutigen Donnerstag droht der größte Reiseandrang. Trotz der zusätzlichen Züge dürfte es auf viel befahrenen Strecken eng werden. Der Tag vor Heiligabend gilt als einer der belebtesten Reisetage. Das gilt auch für den Straßenverkehr. „Donnerstag ist der schlimmste Tag“, sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Das Verkehrsaufkommen werde stark erhöht sein. Der ADAC rät den Fahrern, deutlich mehr Zeit einzuplanen. Wegen milder Temperaturen und einer Regenfront droht in manchen Gegenden Deutschlands Blitzeis, sagen Meteorologen. Ein Tiefdruckgebiet verstärke sich derzeit und wandere am Donnerstag von Norden nach Süden. Während es im Süden noch milde ist – dort setzte Tauwetter ein –, ist es im Norden deutlich kälter. Für Heiligabend und die kommenden Tage sagt der Deutsche Wetterdienst Schneefall voraus.

Bundesverkehrsminister Ramsauer hat angesichts der Verkehrsprobleme jahrelange Versäumnisse bei der Bahn eingeräumt. „Wir haben mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen, die aus der Vergangenheit herrühren“, sagte der CSU-Politiker im ARD-Morgenmagazin. In den letzten zehn Jahren sei zudem an der Bereithaltung gespart worden. „Es macht sich jetzt bemerkbar, dass man geglaubt hat, man könne sich das eine oder andere an der Reserve sparen.“ Diese baue man zurzeit wieder auf. Die Probleme ließen sich nicht von heute auf morgen beheben. Ramsauer wies Vorwürfe zurück, dass die Winterreifenpflicht den Lastwagenverkehr nicht ausreichend einschließe. Die Winterreifenpflicht gelte bei Lastwagen zwar nur für die Antriebsachsen, an den anderen Achsen müssten aber immerhin griffige Allwetterreifen aufgezogen werden. Angesichts vieler liegengebliebener Lastwagen hatte es Kritik daran gegeben, dass Lastwagen laut Vorschrift nur an den Antriebsachsen Winterreifen aufziehen müssen. Die Regierung war damit den Spediteuren entgegengekommen, die Kosten sparen wollten.

Demütig äußerte sich der Londoner Flughafenchef Colin Matthews. Er verzichtet für dieses Jahr auf seinen Bonus. Der hatte vor einem Jahr bei mehr als einer Million Euro gelegen. Der Flughafen Heathrow hatte es nicht geschafft, mit einer Schneedecke von zehn Zentimetern fertig zu werden.mit dpa

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