Welt : Festgefahren

Der in der Antarktis havarierte japanische Walfänger „Nisshin Maru“ lässt sich von Greenpeace nicht helfen

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Wellington - In der Antarktis spielt sich ein mysteriöses Drama um ein japanisches Walfangschiff ab. Auf der „Nisshin Maru“ war aus bisher nicht geklärten Umständen ein Brand ausgebrochen, dem bisher offiziell ein Mann zum Opfer fiel.

Das Schiff kann sich aus eigener Kraft nicht mehr bewegen, der Motor ist kaputt. Seit drei Tagen bietet das Greenpeace- Schiff „Esperanza“, das den Walfänger verfolgt hat, den Japanern Schlepphilfe an. Der Mannschaft ist aber von der japanischen Regierung untersagt worden, sich von Greenpeace helfen zu lassen. Die Weigerung, sich helfen zu lassen, wirft die Frage auf, ob die Japaner auf dem Walfangschiff etwas zu verbergen haben. Nach Angaben von Greenpeace ist die „Nisshin Maru“ von Packeis bedroht. Greenpeace-Aktivisten hätten mit einem Hubschrauber die nur noch rund zehn Seemeilen vom Schiff entfernte Packeisgrenze abgeflogen, erklärte die Umweltschutzorganisation am Sonntag. In den vergangenen 24 Stunden hätten sich die Eismassen drei Seemeilen in Richtung der „Nisshin Maru“ bewegt. Diese Daten habe Greenpeace an den Walfänger übermittelt. Das Greenpeace- Schiff „Esperanza“ befindet sich nach Angaben der Umweltschützer in Sichtweite zur japanischen Flotte.

Das japanische 6000-Tonnen-Fabrikschiff hat leichte Schlagseite. Es ist derzeit mit zwei japanischen Begleitbooten vertäut, die versuchen, das Schiff zu stabilisieren. An Bord des Walfängers befinden sich Chemikalien zur Verarbeitung von Walfleisch. Auch das Auslaufen von Öl wird befürchtet. Das Schiff hat 500 000 Liter Schweröl und weitere 800 000 Liter Heizöl an Bord.

Die „Nisshin Maru“ liegt in internationalen Gewässern rund 200 Kilometer nordwestlich des US-Stützpunktes McMurdo. Die See war dort am Sonntag ruhig. Wenn das Wetter rauer wird, könnten aber Eisberge den Rumpf der „Nisshin Maru“ beschädigen. Die Tierschützerorganisation Sea Shepherd fürchtet, dass die „Nisshin Maru“ nach einem Feuer an Bord 1998 nur notdürftig repariert worden ist. „Würde das Schiff auseinanderbrechen, wäre dies die größte Umweltkatastrophe aller Zeiten im Südpolarmeer“, sagte Sea-Shepard-Gründer Paul Watson.

Die für Rettungseinsätze in dem Unglücksgebiet verantwortliche neuseeländische Behörde besteht weiter darauf, dass das japanische Schiff so schnell wie möglich aus der sensiblen Ökozone geschleppt wird. Die neuseeländische Regierung fürchtet einen Wetterumschwung und die Gefahr, dass Benzin und Öl an Bord in der sensiblen Ökozone doch noch auslaufen. 100 Seemeilen vom Unglücksort entfernt liegt die größte Adeliepinguin-Kolonie der Welt.

Die Japaner wollten die umstrittene Waljagd eigentlich bis Mitte März fortsetzen. Wenn die „Nisshin Maru“, das einzige Schiff, das das Fleisch verarbeiten kann, aber ausfällt, müsste die ganze Flotte vorzeitig nach Hause zurückkehren. Die Regierung in Tokio will an diesem Montag entscheiden, ob die Walfangsaison vorzeitig beendet werden soll. Seeleute versuchten nach Angaben von Radio Neuseeland den ganzen Sonntag, den Motor der „Nisshin Maru“ wieder in Gang zu bringen.

Die neuseeländische Regierung hat betont, dass Tierschützer nach ihrer Überzeugung mit dem Brand nichts zu tun haben. „Das Allerletzte, was wir tun würden, ist, ein Schiff beladen mit Treibstoff und Chemikalien in dem antarktischen Ökosystem zu versenken“, teilte der Gründer von Sea Shepherd, Paul Watson, mit. Ein Schiff der Organisation war mit der „Nisshin Maru“ vergangene Woche zusammengestoßen. „Wir haben nie die Taktik verfolgt, Menschen zu verletzen oder gar zu töten.“ dpa/AFP

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