Welt : Feuer im Luftschiff

Vor 70 Jahren explodierte die „Hindenburg“

Rainer W. During

Nach 34 Sekunden war alles vorbei: Vor 70 Jahren verglühte das größte Luftschiff aller Zeiten – der Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ – bei der Landung in Lakehurst bei New York in einem gewaltigen Feuerball. Wie durch ein Wunder entkamen 62 der 97 Passagiere und Besatzungsmitglieder dem Inferno. Erst 1936 war der Gigant der Lüfte in der Friedrichshafener Zeppelin-Werft fertiggestellt worden. Ein Jahr lang revolutionierte er auf zahlreichen Fahrten nach New York und Rio de Janeiro den Verkehr zwischen Europa und Amerika. Mit einer Länge von 245 Metern nur wenig kürzer als die Titanic, bot die „Hindenburg“ bis zu 72 Passagieren den Komfort eines Luxushotels oder Ozeandampfers mit Speisesaal, Promenadendeck und Kabinen mit bequemen Betten. Für seine schnellste Reise zwischen Lakehurst und Frankfurt benötigte das Luftschiff 42 Stunden und 53 Minuten.

Am Abend des 7. Mai 1937 war zunächst alles wie immer. Beim Landeanflug auf Lakehurst herrschte ein Gewitter. Wie üblich wurden die Leinen abgeworfen, mit denen die Bodenmannschaft das Luftschiff an den Ankermast ziehen sollte. Doch plötzlich gab es einen Ruck, Flammen schossen aus dem Heck und breiteten sich blitzartig auf die gesamte, mit knapp 200 000 Kubikmetern brennbaren Wasserstoffs gefüllte Hülle aus. Binnen einer halben Minute fiel das Luftschiff in einem Gewirr glühender Aluminiumstreben in sich zusammen. 13 Passagiere, 22 Besatzungsmitglieder und ein Mitglied der Bodenmannschaft kamen ums Leben. Die Ursache der Katastrophe wurde nie endgültig geklärt. Vermutet wird, dass eine statische Aufladung entweder die brennbare Hülle oder durch ein zuvor entstandenes Leck ausströmenden Wasserstoff entzündete. Weil die Amerikaner als damals einzige Hersteller dem Nazi-Regime kein unbrennbares Helium liefern wollten, endete mit dem Unglück die Ära der Verkehrsluftschiffe.

Bis vor zehn Jahren. In Friedrichshafen werden wieder Luftschiffe gebaut. Am 18. September 1997 startete der erste neue Zeppelin zu seinem Jungfernflug. Er ist mit einer Länge von 75 Metern im Vergleich zur „Hindenburg“ ein Winzling. In der Kabine finden zwölf Personen Platz. Ein Zeppelin wurde nach Japan verkauft. Ein zweiter ist seit anderthalb Jahren für den De-Beers-Konzern im afrikanischen Botswana auf Diamantensuche. Aus der Luft lässt sich das dichtere Kimberlit-Urgestein, in dem die Edelsteine zu erwarten sind, leichter aufspüren. Weil Zeppeline ruhiger in der Luft liegen, sind sie besser für die empfindlichen Sensoren geeignet.

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