Feuergefecht im Urlaubsparadies : Deutscher stirbt im Sektencamp

Die Polizei stürmt ein Gelände in der Dominikanischen Republik. Dort hatten sich Deutsche verschanzt, die einer Sekte angehört haben sollen. Ein Mann stirbt, der mutmaßliche Anführer wird festgenommen.

Beim Sturm auf das Sektencamp stellten die Beamten mehrere schwerkalibrige Waffen sicher.
Beim Sturm auf das Sektencamp stellten die Beamten mehrere schwerkalibrige Waffen sicher.Foto: dapd

Die Polizei rückt gegen 09.00 Uhr auf das Gelände im pittoresken Karibik-Urlaubsort Sosúa vor. Sie wird mit Schüssen empfangen, es folgt ein fast einstündiges Feuergefecht. Ein Deutscher stirbt, ein weiterer wird festgenommen und eine deutsche Frau in Handschellen abgeführt. Die Aktion war offensichtlich lange vorbreitet, denn das Gelände soll zu einer sektenähnlichen Gruppe mit dem Namen „Akademie für zukünftige Gesundheit“ haben, die schon lange im Visier der Behörden ist.

Die Polizei spricht von einer „gefährlichen religiösen Sekte“. Deren Gründer Peter Brunck wurde bei der Razzia festgenommen. Er gilt als Esoterik-Guru und ist auch in den Medien einschlägig bekannt. Der 61-jährige Immobilienhändler und selbst ernannte Wunderheiler lebt seit Jahren in dem Ferienzentrum an der Nordküste der Dominikanischen Republik, das vor allem bei Deutschen beliebt ist. Er ist auch deutschen Behörden kein Fremder. Journalisten, die über seine Vergangenheit recherchierten, sollen von ihm massiv bedroht worden sein.

An der Aktion am Mittwochvormittag waren offenbar auch Interpol-Beamte beteiligt. Kurz nach dem Einsatz kursierte im Internet ein Video über den Ablauf des Einsatzes. Dort wird die Leiche des Erschossenen gezeigt und auch die Festnahme der Frau. Die Szene spielt sich in einer Art großen Scheune ab. Die Frau mit langen braunen Haaren trägt eine kugelsichere Weste und steigt eine Aluminiumleiter hinab. Sie ergibt sich, und die Beamten legen ihr sofort Handschellen an. Bilder von Brunck sind nicht zu sehen.

Die Dominikanische Republik gilt als Urlaubsparadies. Jährlich zieht es rund 190 000 deutsche Touristen in den Karibikstaat mit seinen weißen Stränden. Sosúa galt über Jahre allerdings als der „Ballermann der Karibik“. Die „DomRep“ war aber immer wieder auch Zufluchtsort für dubiose Gestalten. Das Bundeskriminalamt (BKA) ist dort mit einem Verbindungsmann vertreten. Die Deutschen sind die viertgrößte Touristengruppe nach US-Amerikanern, Kanadiern und Franzosen.

Die Gruppe „The Academy For Future Health“ (AFFH) ist nicht unbekannt. Brunck selbst wird von seinen Kritikern als Hochstapler bezeichnet, der sich auch seine Doktortitel erschlichen habe. Er weist die Behauptungen, es handele sich um eine Sekte zurück. „Es wird viel geredet“, sagte er einmal, als ihn Reporter darauf ansprachen. Die Polizei muss er nun erklären, warum sich auf dem Gelände schwerkalibrige Waffen befanden, denn die Beamten stellten mehrere Gewehre, Pistolen und auch zwei M-16-Sturmgewehre sicher. (dpa)

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