Feuerkatastrophe : 17 Tote bei Wohnhausbrand in Paris

Bei einem nächtlichen Flammeninferno in einem von afrikanischen Einwanderern bewohnten Haus sind im Pariser Südosten mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. 14 davon waren Kinder.

Paris (26.08.2005, 14:20 Uhr) - Wie die Feuerwehr mitteilte, wurden 30 Menschen durch den Brand am frühen Freitagmorgen verletzt. Die 130 Bewohner des als baufällig, verdreckt und überbelegt beschriebenen Gebäudes waren aus Westafrika, vor allem aus Mali und dem Senegal, nach Frankreich gekommen. Während unklar blieb, wie das Feuer entstanden ist, das zu den folgenschwersten der französischen Nachkriegszeit gehört, entfachte die Brandkatastrophe eine heftige Kontroverse. Denn erst am 15. April waren 24 sozial schwache Einwanderer in einem Feuer in einem Billighotel gestorben.

210 Feuerwehrleute konnten zwar die auf mehreren Stockwerken lodernden Flammen mit einem Großeinsatz löschen, allerdings viele Bewohner nicht mehr aus dem siebenstöckigen Haus retten. Um Mitternacht war das Feuer ausgebrochen, und im Nu züngelten die Flammen auf vier Etagen. «Das hölzerne Treppenhaus war sofort abgebrannt», sagte ein Feuerwehrmann. «Die meisten dort sind erstickt.» Das oberste Stockwerk war zugemauert.

Weinende Kinder, verzweifelte Erwachsene: Bewohner und Nachbarn des Unglückshauses mussten herzzerreißende Szenen der Panik durchstehen, Dutzende von afrikanischen Frauen und Kindern vom Roten Kreuz in einem Restaurant in der Nähe betreut werden. «Wir sind arm, wir sind hierher gekommen, um zu arbeiten, warum tut uns Gott dies an», so schreit die erschütterte Awa angesichts der Toten. Und die junge Aminata, ebenfalls aus Mali, steht fassungslos da: «Mein Bruder, mein Bruder, warum musst du so grausam sterben?» Männer stehen stumm daneben, die Augen nass.

«Seit 1991 warteten wir auf neue Wohnungen, wir waren sehr schlecht untergebracht und viel zu viele», empört sich dann Oumar Cissé, der in dem Gebäude in der Hausmeisterei tätig war. «Es gab keine Feuerlöscher, 12 bis 13 Menschen wohnten auf 50 Quadratmetern.» Er wird das Schreien der Kinder in Todesangst nie vergessen können: «Es war entsetzlich, sie zu hören. Wir haben Freunde und Verwandte in diesem überfüllten und dreckigen Haus verloren.» Von einer «Falle des Elends» spricht Djouré.

Die Flammen waren vor dem Morgengrauen längst gelöscht, da entbrennt schon der Streit. Dass Präsident Jacques Chirac tiefste Betroffenheit ausdrückt und Innenminister Nicolas Sarkozy alle gefährlichen und überbelegten Häuser in Paris überprüfen lassen will, hilft nichts mehr. Und auch nicht, dass die karitative Emmaüs- Gesellschaft dementiert, in ihren Wohnungen in dem Haus der Afrikaner hätten viel zu viele gewohnt.

«Dieses Gebäude musste von Grund auf renoviert werden, alles stand bereit, aber niemand wollte die Bewohner umquartieren», so kritisiert Jacques Oudot von der Gesellschaft France Euro Habitat: «Die Behörden haben uns geantwortet, es gebe für die Familien halt keine Wohnungen.»

In harschen Tönen prangert auch Jean-Baptiste Eyraud, Präsident der Mieter-Hilfsorganisation DAL an: «Das ist das Ergebnis der Politik der vergangenen 20 Jahre.» Und er nennt Zahlen: «Mehr als 50.000 Familien sind hier mies untergebracht.» Und die Sozialistin Martine Aubry wirft die Frage auf: «Wie viele Dramen müssen noch sein, bis sich was tut?»

Bei der noch schwerwiegenderen Brandkatastrophe in einem Pariser Billighotel direkt hinter dem Luxuskaufhaus Lafayette waren im April 24 Menschen, ebenfalls Einwanderer, ums Leben gekommen. Das Feuer war damals von einer Frau ausgelöst worden. Die Sozialbehörden hatten 79 Menschen dort untergebracht, darunter viele Asylbewerber aus Afrika. (Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

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