Finanzkrise : Bankerfrauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Weniger shoppen, weniger Sex, überall Krise: Statt wie bisher in schicke Restaurants zu gehen, müssen New Yorks Bankerfrauen plötzlich selbst kochen – und auch noch den Mann trösten.

Lina Staubach

„Jen“ ist tief getroffen. Sie war die Geliebte eines New Yorker Bankers. Er hat sie verlassen, weil sie zu teuer sei, zu teuer aus der Sicht eines Mannes, der neuerdings sehr auf sein Geld achtet: „Prinzessin, wir müssen reden. Du bist eine teure Investition. Zu besseren Zeiten hätte ich liebend gern ganz Amerika gekauft, aber nun sind wir alle gezwungen, harte Entscheidungen zu treffen.“

So geht es derzeit vielen Frauen, die mit einem Banker liiert sind. Der New Yorker Blog „Daba“ („Dating A Banker Anonymous“) gibt hierüber ausführlich Auskunft. „Triffst du dich mit einem Banker? Wenn das so ist, sind wir hier, um dich in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.” Unter diesem Motto wurde Daba im September von den 27-jährigen New Yorkerinnen Laney Crowell und Megan Petrus gegründet. Die beiden Freundinnen beschreiben sich selber als sogenannte Daba-Girls. Zu jedem Daba-Girl gehört der entsprechende Liebhaber aus der Finanzbranche, der „finance guy boyfriend“ (FBF). Daba-Girls können ganz normale Freundinnen von Bankern sein, oder Geliebte eines verheirateten Bankers, oder auch Ehefrauen. Banker haben derzeit kräftig mit ihrem Selbstbewusstsein zu kämpfen. Sie haben ihre optimistische Ausstrahlung verloren, was sich auf die Beziehungen auswirkt. Welche akuten Sorgen die Daba-Girls derzeit belasten, ist auf dem Blog detailliert zu verfolgen. So beklagt eine Userin, von ihrem ehemals stets beschäftigten Schatz sei nichts als eine anhängliche Klette übrig geblieben. Anstatt wie gewohnt in schicke Restaurants zu gehen, sei man nun gezwungen, zu Hause zu bleiben – und dort auch noch selber zu kochen. Jeden Abend in trauter Zweisamkeit: „Das nervt“.

„Josh“, eine Bankerehefrau in den 40ern, berichtet betrübt, dass sie ihre Pilates-Fitness nicht länger mit ihrem Privattrainer abhalten könne. Stattdessen müsse sie sich mit einem Gruppentreffen begnügen. Zudem sei das Limit ihrer privaten Kreditkarte auf die Hälfte gekürzt worden. Auch die zuvor monatliche Massagesitzung könne nur noch alle sechs Wochen abgehalten werden. Sei es daher nicht sinnvoller, in Zukunft mit einem Künstler anstatt mit einem angeschlagenen Banker auszugehen? Auch für „J“ ist die Situation nach der Pleite von Lehman Brothers getrübt. Ihr dort angestellter Lover kann nun nicht länger für die zahlreichen Trips nach Europa aufkommen. Zudem habe sich seither auch ihr Sexleben deutlich verschlechtert – von einer großartigen Liebesgeschichte schlitterte sie in die emotionale Rezession.

Da die meisten dieser Frauen in der Regel nichts von Wirtschaft verstehen, warnt der Blog sie aktuell: Anhand eines Farbsystems von Grün, Gelb, Orange und Rot informiert er über die derzeitige Finanzsituation. Während etwa Rot die Pleite einer Großbank bekannt gibt („Ein guter Abend, um mal wieder mit Freundinnen zu Abend zu essen oder sich um die Wäsche zu kümmern“), berichtet eine gelbe Mitteilung über fallende Häuserpreise. Was von den Daba-Girls positiv bewertet wird. Dies sei eine günstige Gelegenheit, sich eine persönliche Sommerresidenz zuzulegen. Die Farbe Grün signalisiert aufgrund positiver Finanznachrichten einen geeigneten Zeitpunkt, um endlich wieder groß auszugehen.

Die schwierige Finanzsituation lässt die ein oder andere Blog-Nutzerin über eine neue Rollenverteilung nachdenken: „Wollen FBFs wirklich eine hilflose Prinzessin, die sie retten können? Liegt der Grund für unsere Machtkämpfe mit den FBFs etwa an unserer Unfähigkeit, ihre riesigen Egos zu akzeptieren? Oder an ihrer Unfähigkeit, Frauen zu akzeptieren, die erfolgreicher sind als sie selbst?“

Allerdings wollen nicht alle Besucher des Blogs Mitleid mit den angeschlagenen Girls zeigen. „Natalia“ aus Argentinien schreibt: „Ich lebe schon immer in der dritten Welt, jetzt seid ihr dran!“ Und „Happy Non-Banker“ erklärt: „Nun wisst ihr wie der Rest des Mittelstands leben muss.“ „Menschen können es sich nicht leisten, ihre Häuser zu heizen, sich Lebensmittel zu kaufen, oder ihre Hypotheken abzuzahlen, und ihr weint darüber, dass eure empörenden Ausgabegewohnheiten halbiert werden“, schreibt „Shocked“.

Schlechte Nachrichten für die Daba-Girls. Die Londoner „Times“ berichtet von einer Studie, aus der hervorgeht, dass 80 Prozent der Multimillionäre in nächster Zeit planen, Geschenke und finanzielle Zuwendungen für ihre außerehelichen Affären einzuschränken.

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