"Finni" : Toter Riesen-Wal in Ostsee

Der Riesensäuger von schätzungsweise 18 Metern Länge und 75 Tonnen Gewicht wurde am Sonntag in der Ostsee entdeckt. Der Fund ist eine zoologische Sensation.

Stralsund (11.07.2005, 19:33 Uhr) - Einen Wal als Schleppgut hatte Egon Moritz, Kapitän des Schleppers «Fairplay 25», bisher noch nie am Haken. Umso erstaunter war der Seebär über den Auftrag, am späten Sonntagabend einen toten, in der Ostsee treibenden Wal nach Stralsund zu schleppen. Der Riesensäuger von schätzungsweise 18 Metern Länge und rund 40 Tonnen Gewicht war am Sonntag von Seglern zwischen Rügen und der Greifswalder Oie entdeckt worden. «Der hat schon mächtig gerochen», beschreibt Moritz das ungewöhnliche Frachtgut.

«Der Fund ist eine zoologische Sensation für den südlichen Ostseeraum», sagt Harald Benke, Chef des Deutschen Meeresmuseums Stralsund. Seit Beginn der Aufzeichnungen im 14. Jahrhundert wurden nach Angaben der Forschungseinrichtung erst fünf tote Finnwale im südlichen Ostseeraum nachgewiesen. Der letzte Finnwal wurde 1944 in der Wismarbucht geborgen.

Bei dem Tier handele es sich höchstwahrscheinlich um einen Finnwal, ein Exemplar der zweitgrößten Walart der Welt, erklärt Benke bei der Erstbesichtigung des Kadavers. Während er die Walart wegen der Rückenlage noch nicht hundertprozentig bestimmen kann, ist das Geschlecht zweifelsfrei an dem mehr als einen Meter langen, Oberschenkel dicken Penis zu identifizieren.

Die Meeresbiologen gehen davon aus, dass der schätzungsweise 10 bis 15 Jahre alte Wal beim «Stromern» nach Kleinfischen und Krebsschwärmen von der Route abgekommen und über das Kattegat in die Ostsee geschwommen ist. Möglicherweise sei er identisch mit dem Tier, das vor einem halben Jahr in der Kieler Bucht gesichtet worden sei. «Der Wal hat in der Ostsee gute Nahrungsbedingungen», sagt Walexperte Gerhard Schulze. Er sei vermutlich vor drei Wochen an Stress verendet, weil er den Rückweg über das Kattegat in die Nordsee nicht gefunden hat.

Die Größe des Kadavers stellte die Forscher am Montag vor ungeahnte Probleme. Zunächst fand sich kein für die Extremlast ausgelegter Kran. Am Abend wurde das Tier mit zwei auf einem Ponton stehenden Schwimmkränen aus dem Wasser gehievt. Die Präparatoren, die den Wal bereits liebevoll «Finni» getauft haben, wollten am frühen Dienstagmorgen mit der Sektion beginnen.

Dann wartet Schwerstarbeit auf das 10 bis 15 Leute umfassende Team: Zunächst müsse über eine Sonde das Gas aus dem Inneren des Kadavers kontrolliert abgeleitet werden, um eine Explosion zu verhindern. Dann werde die bis zu zehn Zentimeter dicke Speckschicht entfernt, erklärt Chefpräparator Uwe Beese. Mit Spezialmessern werden das Muskelfleisch abgetrennt, Organe entfernt und Gewebeproben entnommen. Den Knochen wird in einem Container mit einer Lauge das Fett entzogen. Das Walskelett wird möglicherweise von 2008 an im neuen Museumsbau Ozeaneum in Stralsund ausgestellt. (Von Martina Rathke, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben