Welt : Finnland betrauert Opfer des Amoklaufs

Helsinki/Kauhajoki - Mit einem Trauergottesdienst haben Hinterbliebene und andere Bewohner der finnischen Kleinstadt Kauhajoki am Sonntag der Opfer des Schulmassakers gedacht. An dem Gottesdienst nahm auch Staatspräsidentin Tarja Halonen teil. Bei dem Amoklauf in der Berufsschule der westfinnischen Stadt hatte der 22- jährige Matti Juhani Saari Anfang vergangener Woche acht Mitschülerinnen, einen Mitschüler und einen Lehrer durch Schüsse sowie Brandstiftung getötet. Er beging danach Selbstmord. Bischof Simo Peura sagte zu den Trauergästen, die Tragödie werfe die Frage für alle auf, auf welchen Werten die eigene Gesellschaft aufgebaut sei. „Dies ist eine schwere Bürde für uns alle.“ Er forderte alle Eltern zu „ständigem intensivem Gesprächskontakt“ mit ihren Kindern auf.

Ebenfalls am Wochenende berichtete die Zeitung „Ilta-Sanomat“, dass die Polizei vier Tage vor dem Amoklauf die spätere Mordwaffe, eine Pistole vom Typ Walther P22, beschlagnahmen wollte. Hintergrund waren Gewaltvideos von Saari im Internet. Es hieß weiter, dass die Waffe nicht konfisziert werden konnte, weil Saari in seinen Heimatort gereist und von der Polizei deswegen nicht angetroffen worden sei. Die Entscheidung, Saaris Zimmer im Studentenwohnheim zu durchsuchen, wurde mit der Begründung zurückgenommen, man wolle erst mit dem Waffenbesitzer sprechen. Das Gespräch am Tag vor dem Amoklauf blieb dann allerdings folgenlos, weil der zuständige Beamte keinen Grund mehr für eine Beschlagnahme sah. Wegen dieser Entscheidung ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Ein Polizeisprecher bestritt die Darstellung der Vorgeschichte, wollte aber zu Einzelheiten nicht Stellung beziehen. Der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen hat eine Verschärfung der liberalen finnischen Waffengesetze bis Frühjahr 2009 angekündigt. Im November 2007 hatte ein 18-jähriger Abiturient ebenfalls mit seiner kurz vorher legal erworbenen Schusswaffe am Gymnasium der Stadt Jokela sechs Mitschüler und zwei dort arbeitende Frauen erschossen. Auch er beging Selbstmord. dpa

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