Finnland : Trittbrettfahrer drohen mit Bomben

Finnland kommt nicht zur Ruhe: Nach neuen Gewaltdrohungen gegen Schulen sind viele Eltern weiterhin alarmiert. Gleichzeitig werden immer neue, grausige Details über das Massaker an der Tuusula-Schule bekannt.

Thomas Borchert[dpa]
Schulmassaker in Finnland
Blinde Wut. Ein Klassenzimmer der Tuusula-Schule nach dem Massaker. -Foto: dpa

HelsinkiNach dem Massaker in einem Schulzentrum in Tuusula bei Helsinki hat Schulministerin Sari Sarkomaa dringend zur Umkehr aufgerufen. Am Freitag waren zwei Bombendrohungen gegen eine benachbarte Schule in Tuusula sowie in der Ortschaft Kikkonummi in der Nähe von Helsinki bekanntgeworden. "Wenn das nicht aufhört, wird das Grundgefühl von Sicherheit für unsere Kinder tiefgreifend gestört. So kann es nicht weitergehen", sagte Sarkomaa.

Eric-Pekka Auvinen, der sich nach der Ermordung von fünf Mitschülern, einer Schülerin, der Rektorin und der Schulkrankenschwester selbst erschoss, hatte über das Internet regen Kontakt mit Gleichgesinnten in den USA. Wie die Polizei bestätigte, tauschte der 18-Jährige E-Mails mit dem US-Jugendlichen Dillon Cossey aus, der in der Stadt Philadelphia ein ähnliches Massaker geplant hatte. Cossey wurde aber rechtzeitig gefasst und zu einer Haftstrafe verurteilt.

20 Schüsse auf ein Opfer

Wie weiter bekannt wurde, hatte der als kontaktarm geltende Finne eine dänische Freundin mit dem Pseudonym "Tannscheel", mit der er ausschließlich über das Internet Kontakt hielt. Sie gab ihm im September den Laufpass, weil sie einen neuen Freund aus der Neonazi- Szene mit dem Pseudonym "Arjan Krieger" kennengelernt hatte. In finnischen Medien wurde spekuliert, ob diese Demütigung der Auslöser zur Vorbereitung der Bluttat gewesen sein könnte. Auvinen hatte nach Polizeiangaben auf eins seiner acht Opfer mehr als 20 Schüsse abgefeuert.

Nach Bekanntwerden der neuen Drohungen hatte die Polizei die beiden Schulen sofort systematisch durchsucht, aber nichts gefunden. Trotzdem holten zahlreiche Eltern ihrer Kinder nach Hause. Ministerin Sarkomaa meinte: "Das kann ich gut verstehen. Die Lage ist sehr beunruhigend." Es müsse nun wirklich Schluss sein mit "solchen merkwürdigen Spielen".

Streit um Sicherheit

Sicherheitsaspekte spielten in dem seit den Pisa-Untersuchungen international als vorbildlich geltenden finnischen Schulwesen bisher keine Rolle. Auch nach dem Massaker, zu dem Auvinen 500 Schuss Munition für seine Pistole sowie Benzin zum Anzünden des Gebäudes in die Schule mitgebracht hatte, besteht weitgehende Einigkeit, dass Metalldetektoren, Wachen oder ähnliche Sicherheitsvorkehrungen nicht helfen würden.

In die Kritik gerieten aber die betont liberalen finnischen Waffengesetze, durch die Auvinen nach seinem 18. Geburtstag ohne Probleme einen Waffenschein bekommen konnte. Der 18-Jährige hatte sich danach demselben Sportschützenverein angeschlossen, dem auch die dreifache Mörderin Sanna Sillanpää und ein Taximörder angehört hatten. (mit dpa)