Fitness : Trommeln ist Hochleistungssport

Hinter jeder Rockband sitzt ein großer Athlet. Eine Studie zeigt: Schlagzeuger belasten sich wie Fußballer – übergewichtige Kinder könnten so zur Fitness gelockt werden

Christian Tretbar

LondonDass Schlagzeugspielen mitunter eine schweißtreibende Angelegenheit ist, weiß man nicht erst, seit Stewart Copeland mit Fahrradhandschuhen und Schweißband bei The Police den Takt vorgab. Doch nun haben britische Wissenschaftler erstmals getestet, wie anstrengend das Leben eines Drummers wirklich ist. Doch nicht Copeland trommelte für die Wissenschaft, sondern Clem Burke. Der ehemalige Blondie-Schlagzeuger stand den Wissenschaftlern der University of Chichester und der University of Gloucestershire für verschiedene Tests zur Verfügung. Und für Steve Drapper von der University of Gloucestershire sind die Ergebnisse „überraschend“: Die Belastungen für Burke sind genauso hoch wie für einen Premier-League-Fußballer der Marke Cristiano Ronaldo. In dem 90-minütigen Set kam Burkes Herzschlag im Durchschnitt auf 150 Schläge pro Minute. Noch rasanter wurde es, als Burke Blondie-Hits wie „Heart of Glass“ oder das zackige „Call me“ trommelte. Sein Herzschlag erhöhte sich dabei auf 190 Schläge pro Minute. Während des Sets wurden neben dem Herzschlag auch seine Atmung und sein Kalorienverbrauch gemessen. „Er hat in dieser Zeit rund 600 Kalorien verbrannt, was eine Menge ist“, sagt Drapper.

Er hat die Studie zusammen mit seinem Kollegen Marcus Smith von der University of Chichester durchgeführt. Und für sie ist die Belastung eines Schlagzeugers sogar höher zu bewerten als die eines Fußballers. „Fußballer erreichen diese Belastung vielleicht zweimal die Woche, Musiker aber gehen dieses Tempo auf einer Tournee jeden Tag“, sagt Smith.

Damit ist klar, dass hinter jeder großen Rockband meistens ein großer Athlet steht. Oder besser sitzt. Denn die Fitness eines Schlagzeugers muss in einem Topzustand sein. „Zumindest bei Burke kann man sicher davon ausgehen, dass er auf seinen Körper achtet, sonst hätte er das nicht durchgehalten“, sagt Drapper. Die Untersuchung soll aber kein Einzelfall bleiben. In der Universität von Gloucestershire wird jetzt ein eigenes Schlagzeug-Labor aufgebaut, in dem auch andere prominente Drummer getestet werden sollen. Schließlich gebe es unterschiedliche Spieltechniken, unterschiedliche Musikstile und Tempi, die alle ausgetestet werden sollen.

Das Ganze ist aber kein Selbstzweck, sondern Teil des Clem-Burke-Drumming-Projects, mit dem der Musiker zusammen mit der britischen Regierung einen Weg aufzeigen will, um übergewichtigen Jugendlichen zu helfen. „Es gibt sehr viele Kinder, die damit Probleme haben in England und die ungern Sport machen: Schlagzeug spielen ist da eine gute Alternative, bei der man viel Energie verbrennt, seinen Körper fit hält und Spaß hat“, erklärt Drapper. Das britische Gesundheitsministerium hatte vor wenigen Wochen ebenfalls darauf hingewiesen, dass in 40 Jahren 60 Prozent der Erwachsenen gesundheitliche Probleme haben werden, wenn heute nichts gegen Übergewicht getan werde. Zusätzliche Tests sollen Aufschluss darüber geben, welche Auswirkungen Schlagzeugspielen auf den Körperbau und die motorischen Fähigkeiten hat.

„Auf diese Weise könnte das Instrument nicht nur für Kinder interessant sein, sondern eben auch für Sportler, die so ihre Fitness und ihre Motorik trainieren können“, sagt Drapper.

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