Welt : Flammen, Helfer, Trittbrettfahrer

Flughafen-Großbrand in Istanbul endet glimpflich

Thomas Seibert

Istanbul - Es ging um Minuten. Als am Mittwochnachmittag plötzlich hohe Flammen und schwarzer Rauch aus einem Lagerraum am Atatürk-Flughafen von Istanbul schlugen, blieb der Feuerwehr nicht viel Zeit. Der größte Brand, den die türkische Metropole in den vergangenen Jahren erlebt hat, wälzte sich vom Frachtbereich des Flughafens auf die Passagierterminals zu – und auf die im Boden verlegten Benzinleitungen an den Parkpositionen der Flugzeuge. Nur mit Hilfe eines spektakulären Einsatzes zweier Spezialflugzeuge, die normalerweise zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt werden, konnte das Feuer rechtzeitig gestoppt werden. Istanbul entging nur knapp einer Katastrophe.

Seinen Ausgang nahm das Feuer im Lager der Firma „Sistem Lojistik“. Zuerst brannten Textilien, die auf den Export nach Russland warteten, dann griff der Brand auf andere Lagerräume über, in denen Chemikalien aufbewahrt wurden, mehrere Explosionen waren die Folge. Dennoch mussten am Ende nur drei Menschen wegen Rauchvergiftung behandelt werden – mit den geschätzten 50 Millionen Dollar an Sachschaden ist die türkische Metropole noch billig davongekommen.

Die Suche nach der Brandursache gestaltete sich schwierig wegen der hohen Temperaturen, die noch am Donnerstagmittag in einigen Bereichen des ausgebrannten Frachtterminals herrschten. Das heizte Spekulationen an. Während die Behörden von einem Kurzschluss, einer Unachtsamkeit bei Schweißarbeiten oder einer weggeworfenen Zigarette als Ursache ausgingen, erklärten kurdische Extremisten, sie hätten das Feuer gelegt. Die „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK), eine Unterorganisation der Rebellengruppe PKK, sprachen von einem „Sabotageakt“. Bei der Bekenner-Botschaft ist aber Vorsicht angebracht. Die TAK verübte in der Vergangenheit zwar mehrere schwere Anschläge, doch die Gruppe ist auch dafür bekannt, hin und wieder Unfälle etwa in türkischen Fabriken als Terrorakte umzudeklarieren und sich selbst zuzuschreiben.

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