Flammeninferno in Griechenland : Peloponnes leidet - Mindestens 64 Tote

Die Liste der Toten wächst: Im Westen der Halbinsel Peloponnes hat die Polizei heute die Leiche eines Hirten entdeckt. Mit finanziellen Soforthilfen versucht die griechische Regierung jetzt, der Verantwortung für unzureichende Schutz- und Rettungsmaßnahmen gerecht zu werden.

Peloponnes
Überlebende des Ortes Andritsena helfen der Feuerwehr, dabei Brandschneisen zu errichten. -Foto: AFP

Athen/BrüsselDas Flammeninferno in Griechenland nimmt kein Ende: Bei den verheerenden Bränden sind bislang mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Nahe der Kleinstadt Zacháro im Westen der Halbinsel Peloponnes entdeckte die Polizei die Leiche eines Hirten, teilten die Behörden mit. Die Feuer erreichten in der Nacht zum Dienstag die Umgebung der Ortschaft Seta auf der Insel Euböa. Die 300 Einwohner mussten in Sicherheit gebracht werden.

Mehrere Flugzeuge waren im Einsatz, um die Feuersbrunst zu stoppen, ehe die Flammen die Hafenstadt Kymi an der Ägäisküste zerstören. Sechs Löschflugzeuge warfen immer wieder tonnenweise Wasser ab, wie das Fernsehen zeigte. Zur Entlastung der völlig erschöpften griechischen Piloten kommen heute auch drei Löschhubschrauber aus Baden-Württemberg.

Deutsche Helikopter unterwegs ins Katastrophengebiet

Die deutschen Helikopter sollten am Mittag den Militärflugplatz von Andravida im Nordwesten der Peloponnes-Halbinsel erreichen. Von dort aus sind es wenige Minuten Flug bis nach Olympia, wo die Feuer immer wieder gefährlich aufflammen. Die Maschinen können punktgenau 5000 Liter Wasser abwerfen. Sie sind damit besonders für die Brandbekämpfung in bergigem Gelände geeignet. Hubschrauber aus der Schweiz waren im Gebiet von Kalamata im Einsatz. Auch ein Flugzeug aus der Türkei beteiligte sich an den Löscharbeiten auf Euböa.

Etwas entspannt habe sich die Situation auf den Bergen des Peloponnes. Dennoch fachte der Wind die Brände immer wieder an, berichtete der staatliche Rundfunk NET. Am Vorabend waren in Athen 600 Menschen auf die Straße gegangen und hatten gegen die Zerstörung der Umwelt protestiert. Alle Regierungen seien dafür verantwortlich, dass Bodenspekulanten ungehindert Brände legen können, erklärten die Demonstranten.

Soforthilfe: 10.000 Euro für Familien, 3.000 für Obdachlose

Ministerpräsident Kostas Karamanlis hatte am Montagabend Präsident Karolos Papoulias über die Lage unterrichtet. Beide zeigten sich erschüttert über das Ausmaß der Tragödie. "Wir fühlen uns alle, als ob wir geliebte Menschen verloren haben", sagte Karamanlis nach Angaben des griechischen Senders ERT.

Die Regierung versprach den Obdachlosen und denjenigen, die ihre Tiere, Olivenhaine und Zitrusbäume verloren haben, Soforthilfe in Höhe von 200 Millionen Euro. Unter anderem soll jeder Obdachlose 3000 Euro erhalten. Jede Familie wird als erste Maßnahme für den Verlust eines Hauses 10.000 Euro bekommen. Zudem sind zinslose Kredite vorgesehen. Die Bürger wurden zu Spenden aufgefordert. Griechische Reeder zahlten bereits mehrere Millionen Euro ein. Genaue Zahlen über die Zahl der Obdachlosen liegen nicht vor: Allein auf der Westseite der Insel Peloponnes sollen es 3000 sein. (mit dpa)

Straßensperren gegen Brandstifter

Aus Angst vor Brandstiftern dürfen die Hügel und Berge Athens sowie der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki nachts nicht mehr betreten werden. Polizei und Militär sperrten in der Nacht alle Zugangsstraßen. Auch Parkanlagen wurden gesperrt. Überall im Land wurden am Montag Brandstifter gemeldet. Mindestens 100 Personen wurden nach Hinweisen aus der Bevölkerung festgenommen. Angeklagt wurden bislang sieben Menschen.

EU-Experten: 1840 Quadratkilometer in Griechenland zerstört

Brüssel Die jüngsten Waldbrände in Griechenland haben nach ersten Schätzungen eine Fläche von der doppelten Größe Berlins vernichtet. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, ging allein zwischen dem 24. und 26. August ein knapp 1840 Quadratkilometer großes Gebiet in Flammen auf. Nach vorläufigen Berechnungen der EU-Experten zerstörten Waldbrände in Griechenland damit in diesem Jahr eine Fläche von insgesamt knapp 2690 Quadratkilometern. Das ist etwas mehr als Fläche Luxemburgs. (mit dpa/ddp/AFP)