Welt : Fliegen: Durch- und ausgeleuchtet

Matthias Hartmann

Sicherheitstechnik nimmt einen prominenten Platz auf der Flughafenmesse "inter airport Europe" ein - zumindest für die Medien, wie eine Sprecherin feststellte. So freute sich ein Mitarbeiter der Firma Yxlon über gesteigertes Journalisten-Interesse: "Unsere eigentlichen Kunden beachten uns dagegen mit der Aufmerksamkeit, an die wir schon vor dem 11. September gewöhnt waren." Und die ist groß, denn die internationalen Luftfahrtverbände sahen ohnehin eine Verschärfung der Gepäckkontrollen bis 2003 vor.

Der Münchner Flughafen testet im Augenblick zwei Geräte der Hamburger Firma Yxlon, die mit dem Röntgenbeugungsprinzip arbeiten und so die Struktur des untersuchten Stoffes genau erkennen können. Bisherige Röntgengeräte erfassten lediglich Materialdichte und -form. Mit dem Röntgenbeugungsprinzip, der Untersuchung, wie reflektierte Röntgenstrahlen ihre Richtung ändern, ist es nun möglich, den Stoff noch genauer zu analysieren und zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um Haschisch, selbstgemachten Sprengstoff oder eine Tafel Schokolade handelt. Das Prinzip der Röntgenbeugung ist schon lange entdeckt. Bereits 1915 erhielt der britische Physiker Sir William Henry Bragg zusammen mit seinem Sohn den Nobelpreis für seine Untersuchung von Kristallstrukturen durch Messung von Röntgenbeugung - neu ist, das Prinzip in der Sicherheitstechnik einzusetzen.

Prüfsysteme, die auf dem Röntgenbeugungsprinzip basieren, entwickelt auch die Wiesbadener Firma Heimann Systems. Erst im Juli erhielt sie den Auftrag, den Münchner Flughafen mit insgesamt dreißig neuen Geräten auszustatten. Die sollen während der ersten beiden Stufen der Gepäckkontrolle eingesetzt werden. Koffer, die dann noch verdächtig sein sollten, durchlaufen eine dritte Stufe, die langsamer und noch genauer prüft. Für diese dritte Stufe sind unter anderem die Yxlon-Geräte im Gespräch. Franz Lutz, Leiter des Luftamts Südbayern: "Ziel muss sein, möglichst gar kein Gepäck mehr zu öffnen, damit der Flughafenbetrieb reibungslos abläuft." Und noch im Shuttle-Bus vom Terminal zum Flugzeug kann untersucht werden. Zusammen mit Heimann Systems stellte die Wiesbadener Firma Contrac Busse vor, in denen mit eingebauten Röntgensystemen noch einmal das Handgepäck der Passagiere durchleuchtet wird.

Ein System zur Gesichtskontrolle präsentierte die Bundesdruckerei, die sich in den letzten Jahren zu einem Konzern für Hochsicherheitstechnik entwickelte. Zusammen mit ZN Vision Technologies, einem Gemeinschaftsunternehmen der Ruhr-Universität Bochum und der University of Southern California Los Angeles, entwickelte die Bundesdruckerei ein Instrument, das Gesichter erkennen kann. Dabei lässt es sich weder von einer Perücke, einer neuen Brille oder einem Bart täuschen. Selbst Zwillingsbrüder seien auseinanderzuhalten.

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