Welt : Fliegen: Werdende Mütter - Schadet dünne Luft dem Embryo?

Was sollten Schwangere vor einem Flug beachten?

Der Flugmediziner Lutz Bergau (59) ist leitender Arzt der deutschen Lufthansa. Wir wollten von ihm wissen, ob für schwangere Passagiere besondere Risiken bestehen.

Was sollten Schwangere vor einem Flug beachten?

Um Komplikationen auszuschließen, sollten sich schwangere Frauen auf den Flug vorbereiten. Selbstverständlich darf nur während der stabilen Schwangerschaft geflogen werden. Bei Blutungen oder sonstigen Unregelmäßigkeiten sollte die Schwangere auf den Flug verzichten. Auch von zu häufigen Langstreckenflügen rate ich ab. Da bei ihnen das Thromboserisiko a priori erhöht ist, sollten sie Kompressionsstrümpfe tragen und an ihrem Platz isometrische Übungen (Muskeln anspannen und lockern) durchführen.

Könnte der niedrige Sauerstoffgehalt der Kabinenluft dem Embryo schaden?

Nein, das ist nicht der Fall. Damit ein Flugzeug nicht zu schwer wird, muss der Luftdruck im Inneren gesenkt werden. Befindet sich ein Flugzeug 13 200 Meter über dem Meeresspiegel, dann entspricht der Luftdruck in der Kabine einer Höhe von maximal 2450 Metern. Das ist wirklich die oberste Grenze, weiter wird er nicht abgesenkt. Natürlich sinkt dadurch auch die Sauerstoffkonzentration in der Luft und damit auch die Sauerstoffsättigung des Blutes. Genau zu dieser Frage wurden wissenschaftliche Untersuchungen mit Schwangeren durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass keine negativen Auswirkungen zu befürchten sind.

Embryonen sind sehr strahlungsempfindlich. Besteht für sie ein Risiko auf Langstreckenflügen, wenn sie in großen Flughöhen der kosmischen Höhenstrahlung ausgesetzt sind?

Die meisten Fluggesellschaften lassen schwangere Stewardessen bis zum siebten Monat fliegen. Die kosmische Höhenstrahlung ist äußerst gering. Auch die bis zu 100-fach höhere Strahlung so genannter Solar Flares - die nur in Zeiten erhöhter Sonnenaktivität in einem begrenzten Raum auftreten und sehr selten sind - ist zu vernachlässigen. Bereits nach kurzer Zeit ist diese Zone durchflogen. Die dabei erhaltene Strahlungsmenge reicht nicht aus, um dem Embryo oder anderen Fluggästen zu schaden.

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