Welt : Fliegender Treibstofftank

Steve Fossett und Richard Branson planen ein neues Abenteuer: mit einer Art Trimaran ohne Unterbrechung um die Welt

Rainer W. During

Zwischen Donnerstag und Samstag könnte es klappen, die Meteorologen haben einen Jetstream vorausgesagt. Kräftigen Rückenwind braucht Steve Fossett, wenn er in Salina im US-Bundesstaat Kansas mit einem fliegenden Treibstofftank startet. Der 60jährige Milliardär und Abenteurer will als erster Mensch die Welt nonstop im Alleinflug umrunden.

Die einem Trimaran-Boot ähnelnde Maschine stammt aus der Werkstatt von Burt Rutan in Kalifornien. Der ist auf außergewöhnliche Flugzeuge spezialisiert und hat erst kürzlich mit seinem „Space Ship One“, der ersten privaten Weltraumfähre, für Schlagzeilen gesorgt. Der „Global Flyer“ besteht neben dem Mini-Cockpit für den Piloten überwiegend aus insgesamt 13 Tanks, die knapp 2500 Kilogramm Kerosin fassen. Das sind vier Fünftel vom Startgewicht des 13 Meter langen Mini-Jets. Ein kleines Düsenaggregrat sorgt für eine Reisegeschwindigkeit von rund 440 Stundenkilometern.

Wenn Fossett in Salina startet, liegt eine Strecke von mindestens 36 787 Kilometern vor ihm. Die Route führt in über 13 Kilometern Höhe vorbei an Chicago, Toronto und Montreal über den Atlantik nach Irland. Von dort geht es weiter über England, Frankreich, Italien, Griechenland, Ägypten, Saudi-Arabien, Oman, Pakistan, Indien, China und Japan. Nach der Pazifiküberquerung werden südlich von Los Angeles wieder die USA erreicht.

Zwar verfügt der Global Flyer über einen Autopiloten. Doch viel Zeit für ein Nickerchen wird Fossett, der sich während des Fluges mit Milchshakes fit hält, kaum haben. Sollte ihm auf den letzten 1500 Kilometern der Sprit ausgehen, stehen wenigstens genügend Flugplätze für eine Notlandung bereit. Wenn alles klappt, wird der Abenteurer, der seine Milliarden an der Terminbörse machte, nach spätestens 80 Stunden wieder in Salina landen und neue Weltrekorde auf sein Konto schreiben können.

Davon hat Fossett eigentlich mehr als genug. Zu seinen jüngsten Erfolgen gehören die erste Ein-Mann-Weltumrundung in einem Gasballon (2002), eine Weltumseglung in 58 Tagen (2004) sowie – ebenfalls im vergangenen Jahr – ein Geschwindigkeits-Weltrekord für Luftschiffe. So nebenbei durchschwamm Fossett den Kanal von England, fuhr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und nahm am Ironman-Triathlon auf Hawaii teil. Da konnte er verschmerzen, dass er 1992 beim Trans-Alaska-Schlittenrennen nur den 47. Platz belegte.

Sollte Fossett vorher ausfallen, steht ein nicht weniger abenteuerlustiger Brite als Ersatzmann bereit: Richard Branson, dessen Luftverkehrsgesellschaft Virgin Atlantic „Global Flyer“ gehört. 1998 waren beide nach einer gescheiterten Weltumquerung mit einem Ballon aus dem Ozean gefischt worden. Das verbindet.

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