Welt : Flipper im Netz

Die UN machen 2007 zum Jahr der Delfine – weil immer mehr dieser Tiere als „Beifang“ verenden

Roland Knauer

Schwer kämpft das Boot gegen die mächtigen Wellen an, die in die langgezogene Otago-Bucht an der Ostküste Neuseelands rollen. Wie aus dem Nichts taucht auf dem Scheitel einer dieser Wellen plötzlich ein langer dunkler Schatten auf und verschwindet blitzschnell wieder. Völlig mühelos gleitet da ein Hector-Delfin durch die Wellen, in denen er sich pudelwohl zu fühlen scheint.

Oft genug schwimmen Delfine neben der Bugwelle auch schneller Fähren her, erreichen dabei bis zu 55 Kilometer in der Stunde, springen immer wieder aus dem Wasser und schlagen in der Luft einen Salto. Dann legen sie sich unter Wasser gern auf die Seite, um aufmerksam mit einem Auge zu den Beobachtern an der Reling des Schiffes hochzuschauen.

Die Vereinten Nationen haben 2007 zum Jahr der Delfine ausgerufen. Die in Bonn sitzende UN-Unterorganisation, die sich wandernden Tierarten widmet, ist um das Schicksal der Delfine besorgt. Zum Beispiel um das der Hector-Delfine. Mit seinen höchstens 150 Zentimetern Länge und rund fünfzig Kilogramm Gewicht ist der Hector-Delfin nicht nur der kleinste Wal auf dem Globus, sondern auch der seltenste Delfin in den Weltmeeren. Nur noch zwischen 2000 und allenfalls 4000 Tiere dieser von Forschern Cephalorhynchus hectori genannten Art schwimmen vor allem um die Südinsel Neuseelands. Die Zahl sinkt weiter.

Den Grund dafür nennt der Meeresbiologe Steve Dawson, der an der Otago-Universität auf der Südinsel Neuseelands Meeressäugetiere untersucht: „Wenn die Fischer ihre Netze auswerfen, verheddern sich in den Maschen nicht nur Fische, sondern oft genug auch Delfine.“ Da diese Tiere zum Atmen wie alle Meeressäugetiere auftauchen müssen, ertrinken sie, wenn sie sich nicht aus dem Netz befreien können. Beifang nennen Fischer und Naturschützer es, wenn statt Speisefischen Delfine oder Seevögel mit Netzen und Haken gefangen werden.

Als wenige hundert Kilometer nördlich der Otago-Bucht entlang der Banks-Halbinsel die Behörden Neuseelands die Fischerei in einem Meeresschutzgebiet verboten, konnte der Schwund der Hector-Delfine immerhin gestoppt werden. Die Fischerei scheint also tatsächlich eine wichtige Ursache für den Rückgang dieser Art zu sein.

„Und nicht nur für die Hector-Delfine, auch Tiere der meisten anderen Delfin-Arten enden sehr häufig in Fischernetzen“, erzählt Volker Homes. Der Biologe beschäftigt sich bei der Naturschutzorganisation WWF in Frankfurt besonders mit dem Schutz von Walen. Da Delfine mit rund vierzig Arten nicht nur die größte, sondern auch die vielfältigste der vier Walfamilien sind, kümmert sich der WWF sehr intensiv um diese Arten, zu denen übrigens die vier Flussdelfinarten der Welt gar nicht gehören.

„Der WWF möchte vor allem den Beifang erheblich reduzieren, bei dem jedes Jahr 300 000 Delfine verenden“, umreißt Volker Homes das Hauptziel seiner Organisation. Dafür gibt es durchaus Möglichkeiten. So kann dem Material, aus dem später Fischernetze gemacht werden, schon bei der Herstellung Bariumsulfat beigemischt werden. Orientieren sich Delfine mit schrillen Tönen im Ultraschallbereich, finden sie mit diesem „Echolot“ dann auch die für sie gefährlichen Netze, haben Sven Koschinski und Boris Culik vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel herausgefunden.

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