Welt : Flucht vor dem Fluss

Ein Damm ist gebrochen, ein Flughafen überschwemmt – die Fluten erreichen Bangkoks Randbezirke

Alles was schwimmt. Die Menschen suchen sich mit improvisierten Booten ihren Weg durch die Fluten in Rangsit, an den Rändern von Bangkok. Foto: AFP
Alles was schwimmt. Die Menschen suchen sich mit improvisierten Booten ihren Weg durch die Fluten in Rangsit, an den Rändern...Foto: AFP

Bangkok - In Thailand hat das Hochwasser nördlich der Hauptstadt Bangkok einen wichtigen Damm gesprengt. 30 000 Menschen sind akut bedroht. Allen verzweifelten Schutzmaßnahmen zum Trotz wurde auch schon Bangkoks zweitgrößter Flughafen Don Mueang überschwemmt, der zurzeit das Krisenzentrum der Regierung sowie ein Notaufnahmelager für Flutopfer beherbergt. Der Flugbetrieb wurde bis Anfang November eingestellt.

In Erwartung weiterer Überschwemmungen ordneten die Behörden jetzt drei freie Tage an. Schulen, Regierungsgebäude und Institutionen des öffentlichen Dienstes sollen ab Donnerstag bis einschließlich kommenden Montag geschlossen bleiben, wie ein Behördenvertreter nach einer Sondersitzung des Kabinetts der thailändischen Regierung am Dienstag sagte. Dies solle den Menschen Zeit geben, sich selbst sowie ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.

Rund 35 Kilometer nördlich von Bangkok hatte das Hochwasser den Damm zerstört. Das Krisenzentrum (Froc) forderte die Einwohner südlich der gebrochenen Barriere dringend zur Flucht auf. Der Umgebung des Don-Mueang-Flughafens drohe eine bis zu anderthalb Meter hohe Flutwelle, sagte der Direktor des Krisenzentrums, Justizminister Pracha Promnok. „Die Anwohner müssen aus Sicherheitsgründen so schnell wie möglich gehen“, sagte der Minister. Die Armee stehe mit Lastwagen bereit, um den Menschen bei der Flucht zu helfen.

Auch am Raphipat-Kanal zwischen der schwer überschwemmten alten Königsstadt Ayutthaya und Bangkok haben die Fluten die Deiche inzwischen aufgeweicht. Damit schwappten zusätzlich Unmengen Wasser in Richtung der bedrohten Millionenmetropole. Nach Angaben des Krisenzentrums hatten aufgebrachte Anwohner die Dämme zum Teil mit Absicht eingerissen. Sie glauben, dass die Barrieren nur Bangkok schützen und verhindern, dass das Wasser aus ihren überschwemmten Gebieten schneller abfließt.

Die Behörden in Bangkok rechnen damit, dass der Fluss Chao Phraya in den kommenden Tagen eine Höhe von 2 Metern 60 erreicht – die Flutschutzdämme sind im Durchschnitt aber nur 2 Meter 50 hoch. Schon jetzt sind mindestens sechs Viertel der Hauptstadt überschwemmt, andere sind nun akut bedroht.

„Ich wiederhole noch einmal meine Warnung an alle, die in der Nähe des Flusses wohnen“, sagte der Gouverneur von Bangkok, Sukhumbhand Paribatra. Die Menschen sollten „ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen und sich in höchster Alarmbereitschaft halten“. Vertreter des Krisenstabs von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra mahnten ebenfalls eindringlich, die Krise nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. AFP, dpa

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