Fluchtpunkt USA : Die Kunst des Untertauchens

01.08.2012 00:00 Uhrvon
Sammler moderner Kunst. Polizeibeamte beschlagnahmen mehr als 1000 Gemälde, die der Deutsche gesammelt hat. Damit sollen die Geprellten entschädigt werden. Foto: REUTERS
Sammler moderner Kunst. Polizeibeamte beschlagnahmen mehr als 1000 Gemälde, die der Deutsche gesammelt hat. Damit sollen die Geprellten entschädigt werden. - Foto: REUTERS

Dass die USA ein geeignetes Land sind, um als Krimineller unterzutauchen, hat sich noch nicht weit herumgesprochen. Fünf Jahre lang lebte der deutsche Anlagebetrüger Ulrich E. in den USA. Zum Verhängnis wurde ihm eine Alkoholkontrolle – jetzt soll er ausgeliefert werden.

Auf der Flucht lässt es sich offenbar gut leben, wenn man es geschickt organisiert. Der Deutsche Ulrich E. war fünf Jahre lang in den USA untergetaucht. Dort soll er unter anderem eine beachtliche Kunstsammlung aufgebaut und unter mehreren falschen Namen munter weitergetrieben haben, weshalb ihn die deutsche Justiz mit internationalem Haftbefehl sucht. Es geht um Anlagebetrug. E. soll mit einem Schneeballsystem zwischen Juni 2003 und Dezember 2004 über 3500 Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrogen haben. Dafür benutzte er eine Marketingfirma mit Sitz in Florida. Sobald das Geld in den USA angekommen war, sahen es die Investoren nie wieder.

Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Mannheim sagte, soll der ermittelte Schaden bei 37 Millionen Euro liegen. Vermutlich sei der wahre Schaden aber sehr viel höher. In anderen Berichten wird der Schaden auf bis zu 80 Millionen Euro geschätzt.

Zum Verhängnis wurde dem Mann, dass er in Las Vegas in eine Verkehrskontrolle geriet und wegen Alkohol am Steuer Fingerabdrücke abgeben musste. Als das inzwischen eingeschaltete FBI mit der lokalen Polizei seine Lagerhäuser in Boulder City, 40 Kilometer östlich von Las Vegas, durchsuchte, stießen die Fahnder auf mehr als tausend Kunstwerke. Was es damit auf sich hat, wie er zu den Kunstwerken kam und ob er damit handelte, ist unklar. Auf amerikanischen Pressefotos von der Beschlagnahme war unter anderem ein Werk von Kandinsky zu sehen. Es könnte sein, dass er Kunstliebhaber ist, andererseits ist Kunst ein gutes Vehikel, um Geld zu waschen.

Fahnder aus Baden-Württemberg stehen bereit, den Mann im Falle einer Auslieferung nach Deutschland zu überführen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Mannheim. Die US-Behörden ließen nach Zeitungsberichten verlauten, dass er ausgeliefert werde. In den USA werden ihm Verstöße gegen die Einwanderungsbestimmungen vorgeworfen.

Dass die USA ein geeignetes Land sind, um als Krimineller unterzutauchen, hat sich noch nicht weit herumgesprochen. Offenbar arbeiten die Behörden dort nicht sehr effektiv. Die Fingerabdrücke waren ihm schon im Februar 2011 abgenommen worden. Sie wurden aber offenkundig nicht sofort mit internationalen Fahndungsdaten abgeglichen, jedenfalls dauerte es fast eineinhalb Jahre, bis er jetzt verhaftet wurde. Der internationale Haftbefehl datiert von 2007.

Offenbar vertraute er auf sein Glück. Spätestens als er seine Fingerabdrücke abgeben musste, hätte er erneut abtauchen müssen, weil klar war, dass er irgendwann gefasst wird.

Der 51-Jährige soll wie vorher in Europa auch in Nevada offensiv ein Schneeballsystem betrieben haben und Anleger um ihr Geld gebracht haben. Genaue Einzelheiten über sein Schneeballsystem wurden nicht mitgeteilt. Laut Staatsanwaltschaft Mannheim soll er Anlegern lukrative Aktiengeschäfte an der Wall Street vorgespiegelt haben. Über ein System von Vermittlern wurden Anleger geködert, die bereitwillig ihr Geld überwiesen. Laut Staatsanwaltschaft sind 1295 Geschädigte bekannt. Vermutlich aber sind es viel mehr. Anleger, die unversteuertes Geld vor dem Finanzamt ins Ausland in Sicherheit bringen wollten, melden sich ungerne bei der Polizei.

Die beschlagnahmten Kunstwerke könnten dazu verwendet werden, geprellte Anleger zu entschädigen. Da Kunst in den vergangenen Jahren an Wert gewonnen hat, könnte vielleicht ein beachtlicher Profit dabei herauskommen. Der Kriminelle als guter Anleger – er hätte es komfortabler haben können.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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