Flug AF 447 : Auf der Suche nach der Unglücksursache

Die brasilianische Luftwaffe hat im Atlantik bislang 17 Leichen des Air-France-Unglücksfluges bergen können. Neueste Erkenntnisse besagen zudem: Die Air France hatte trotz Aufforderung von Airbus Geschwindigkeitsmesser nicht ausgetauscht.

Rainer W. During

Am Sonntag hat die brasilianische Marine weitere Leichen und Wrackteile aus dem Atlantik geborgen. Der Absturz der Air-France-Maschine am Pfingstmontag war mit dem Fund erster Leichen am Samstag zur Gewissheit geworden. Zu den geborgenen Gegenständen zählten auch zahlreiche persönliche Gegenstände. Unter anderem fanden Suchmannschaften einen Lederkoffer, einen Impfpass und ein Ticket des Fluges AF 447. In einem Rucksack steckte ein Laptop. Eine der Leichen soll noch auf dem Flugzeugsitz festgeschnallt gewesen sein.

Air France heizte am Sonntag mit der Nachricht über den schnellen Austausch der Geräte zur Geschwindigkeitsmessung die Spekulationen über die Absturzursache an. Die jüngsten Erkenntnisse lassen einen Ausfall der Geschwindigkeitsanzeigen als Ursache für den Absturz des Airbus möglich erscheinen. Die Luftverkehrsgesellschaft hat am Wochenende eingeräumt, dass es bereits seit gut einem Jahr bei dem zweistrahligen A330 und seinem mit vier Triebwerken ausgestatteten Schwestermodell A340 zu entsprechenden Störungen kam, die als Quelle ermittelten Geschwindigkeitmessungsgeräte aber bisher nicht ausgetauscht wurden.

Bevor der Großraumjet mit 228 Menschen an Bord in der Nacht zum Pfingstmontag von den Radarschirmen verschwand, hatte ein automatisches System innerhalb von einer Minute 24 Fehlermeldungen an die Betriebszentrale der Air France gesendet. Sie wiesen Widersprüche auf zwischen den gemessenen Geschwindigkeiten und den angezeigten Systemausfällen, die unter anderem den Autopiloten und die automatische Schubregelung betrafen. Das sagte der Leiter der französischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA, Paul-Louis Arslanian, in Paris. Wie es heißt, soll es beim Tempo Differenzen von bis zu 50 Stundenkilometern gegeben haben. In großen Flughöhen kann das bereits dem Fenster zwischen der zulässigen Höchst- und Mindestgeschwindigkeit entsprechen, bei der die Maschine den Auftrieb verliert. Gerade unter erschwerten Flugbedingungen wie in einem Gewitter ist der Ausfall der Geschwindigkeitsanzeigen deshalb ein bedrohliches Problem, heißt es in Pilotenkreisen. Unklar ist nach Angaben der Ermittler bisher, ob bei dem Unglücksjet die automatische Flugsteuerung bewusst von den Piloten abgeschaltet wurde oder aufgrund der widersprüchlichen Computerdaten ausfiel. Indessen widersprachen französische Meteorologen der Vermutung, dass der Airbus in ein besonders extremes Tropengewitter geraten sei. Es habe sich um keine außergewöhnliche Wetterlage gehandelt, sagte Alain Ratier, Vize-Direktor von Meteo France, auf der Pressekonferenz. An den Tagen vor und nach dem Unglück habe es in dem Bereich stärkere Gewitterbildungen gegeben. Bereits vor einigen Jahren war es in niedrigen Flughöhen überwiegend beim kleineren Airbus A320 zu Ausfällen der Geschwindigkeitsanzeigen gekommen. Als Ursache hatte Airbus das Eindringen von Wasser in die Pitotrohre ermittelt und im September 2007 den Austausch der Sonden auch bei den größeren Modellen A330/A340 empfohlen, die in Einzelfällen ebenfalls betroffen waren.

Bei der Air France wurden die Rohre nur an den A320 ausgewechselt. Mit den anderen Modellen hatte man zunächst keine Probleme gehabt, teilte die Fluggesellschaft jetzt mit. Da es sich um keine Lufttüchtigkeitsanweisung der Behörden, sondern nur um eine Empfehlung des Herstellers gehandelt habe, sei es jeder Airline freigestellt gewesen, den Rat ganz, teilweise oder gar nicht zu befolgen.

Ab Mai 2008 kam es dann auch bei den A330 und A340 der Air France zu Ausfällen der Geschwindigkeitsanzeige, die sich in größeren Höhen ereigneten. Sie wurden durch eine Vereisung der Pitotrohre verursacht und dauerten jeweils einige Minuten. Weil die ursprünglich zum Austausch entwickelten Sonden laut Airbus in größeren Höhen keinen Schutz boten, seien die Piloten zunächst nur auf die für diesen Fall geltenden Notfallregeln hingewiesen worden. Erst in diesem Frühjahr hätten Labortests ergeben, dass auch hier ein anderes Rohrmodell für Abhilfe sorgen könne. Während der Hersteller zunächst nur eine Flugerprobung der neuen Sonden empfahl, habe Air France daraufhin bereits am 27. April ein Austauschprogramm gestartet. Ohne eine Verbindung zur möglichen Absturzursache herzustellen, werde man das Auswechseln jetzt „beschleunigen“, teilte Air France mit.

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