Flug MH370 : Malaysische Polizei: Womöglich erfahren wir die wahre Ursache des Vorfalls nie

Der malaysische Polizeichef fordert mehr Zeit zur Aufklärung des Verschwindens von Flug MH370. Doch mit jedem Tag sinken die Aussichten auf Erfolg.

Schlicht und einfach Müll: Blick aus einem Flugzeug, das nach Überresten des Flugs MH370 sucht.
Schlicht und einfach Müll: Blick aus einem Flugzeug, das nach Überresten des Flugs MH370 sucht.Foto: dpa

Das Rätsel um den verschollenen Flug MH370 von Malaysia Airlines wird nach Einschätzung der malaysischen Polizei womöglich nie gelöst werden können. „Geben Sie uns mehr Zeit“, sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar am Mittwoch vor Reportern in Kuala Lumpur, wie die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires meldete. „Es könnte sogar sein, dass wir die wahre Ursache des Vorfalls nie erfahren.“ Die Maschine war am 8. März auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos vom Radar verschwunden und ist seitdem verschollen.
Rund zwei Drittel der Passagiere an Bord waren Chinesen, deren Angehörige immer wieder schwere Vorwürfe gegen die malaysischen Behörden erheben. Die Ermittler versuchen vor allem, den Hintergrund der Passagiere zu durchleuchten - mögliche Gründe für das Verschwinden der Maschine sind demnach eine Flugzeugentführung, Sabotage oder psychische Probleme von Passagieren oder der Crew. Die Ermittlungen liefen weiter, sagte der Polizeichef. Bislang gebe es mehr als 170 Aussagen. „Es gibt aber noch mehr Menschen, die wir befragen müssen“, fügte er hinzu.

Mittlerweile beteiligt sich auch die britische Royal Navy mit einem U-Boot an der Suche nach Wrackteilen der Maschine. Das Verteidigungsministerium teilte am Dienstag in London mit, dass die "HMS Tireless" im Suchgebiet im Indischen Ozean eingetroffen sei. Bisher waren nur Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz gekommen. Am Dienstagabend gaben die australischen Behörden, die die Suche koordinieren, zuletzt an, weiterhin keine Spur von dem Flugzeug entdeckt zu haben.

Nun hoffen sie auf Fortschritte. Großbritannien hat mit der „HMS Echo“ außerdem ein Vermessungsschiff in das Suchgebiet geschickt, um U-Boote und Schiffe bei der Suche nach dem Flugschreiber und Wrackteilen von MH370 zu unterstützen. Die beiden Schiffe verfügen über Elektronik, die Signale des Flugschreibers aufspüren kann. Am Freitag soll ein australisches Schiff diese Aktion verstärken.

Die Batterie des Flugschreibers wird laut Experten etwa bis Montag halten

Die internationale Suchaktion ist unterdessen um 500 Kilometer nach Osten verlegt worden. Wie die koordinierende australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) am Mittwoch mitteilte, liegt das Suchgebiet nun 1500 Kilometer nordwestlich der australischen Stadt Perth. An der Suche sind mehr als 1000 Menschen auf Schiffen und rund 100 Menschen in Flugzeugen beteiligt. Inzwischen wird die Suche nach der Maschine immer mehr zum Wettlauf mit der Zeit. Die Batterie des Flugschreibers wird laut Experten etwa bis Montag halten - „das kommt auf die Wassertemperatur und die Wassertiefe an“, sagte der australische Verteidigungsminister David Johnston dem australischen Rundfunksender ABC.

Eine Black Box sendet etwa 30 Tage lang Signale aus, die helfen sollen, das Flugzeugwrack zu orten. Allerdings könnte sich die Suche nach Einschätzung des Koordinators der internationalen Suchaktion, des pensionierten australischen Luftwaffenchefs Angus Houston, noch lange hinziehen. Er bezeichnete die Suche als die herausforderndste, die ihm je begegnet sei. Am Mittwoch wollte sich der malaysische Premierminister Najib Razak vor Ort persönlich bei den Suchmannschaften in Perth für ihren Einsatz bedanken, der nun schon fast zwei Wochen andauert.

Wo die Wrackteile des verschwunden Flugzeugs sich dreieinhalb Wochen nach dem Absturz befinden könnten, ist laut dem Ozeanographen Jochen Kämpf von der Flinders University in Australien kaum mehr auszumachen. „Selbst wenn wir die genaue Absturzstelle kennen würden, hätte das Suchgebiet enorme Ausmaße“, sagt er. Grund dafür seien große, fast unberechenbare Wirbel im Wasser. „Sie sind wie Wettererscheinungen in der Atmosphäre, mit Hunderten Kilometern Durchmesser“, sagt Kämpf. Schwimmende Teile trieben darin mit einer Geschwindigkeit von 43 Kilometern am Tag - und könnten außerdem von einem Wirbel zum nächsten gereicht werden. „Die Unwägbarkeit ist riesig.“

Tonnen von Müll im Meer erschweren die Suche zusätzlich

Die Suche wird zusätzlich dadurch erschwert, dass jedes Jahr Millionen Tonnen Müll im Meer landen - und sogar in so entlegene Regionen wie den Indischen Ozean treiben. Wenn die Suchmannschaften von ihren Flugzeugen aus ins Wasser schauen, sehen sie immer wieder etwas im Meer treiben: ein orangefarbenes Objekt, Bojen, ein rechteckiges blaues Teil, einen zackigen rostbraunen Gegenstand, Taue. Nichts davon ließ sich bislang als Wrackteil des verschwundenen Flugzeuges der Malaysia Airlines identifizieren. Alles, was die Besatzungen der ebenfalls mitsuchenden Schiffe aus dem Indischen Ozean zogen, war schlicht und einfach Müll. (AFP/dpa)

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