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Flug MS804 : Chef-Forensiker: Kein Hinweis auf Explosion bei

Suchmannschaften und Experten arbeiten auf Hochtouren, um das Rätsel um den Absturz des Fluges MS804 zu lösen. Flugschreiber und Stimmenrekorder werden gesucht, DNS wird ausgewertet Der Chef-Forensiker widerspricht den Ermittlern.

Ein Airbus A320 der Fluggesellschaft Egypt Air, wie er auch zwischen Paris und Kairo im Einsatz war.
Ein Airbus A320 der Fluggesellschaft Egyptair, wie er auch zwischen Paris und Kairo im Einsatz war.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Der ägyptische Chefpathologe hat Aussagen aus Ermittler-Kreisen widersprochen, wonach Körperteile aus dem Wrack der abgestürzten Egyptair-Maschine Hinweise auf eine Explosion aufweisen. "Alles, was dazu berichtet wurde, ist komplett falsch und sind bloße Vermutungen, die nicht aus der Gerichtsmedizin kommen", sagte der Leiter der Forensik, Hescham Abdelhamid, am Dienstag in Kairo.

Die Rechtsmediziner untersuchen derzeit die bislang geborgenen menschlichen Überreste und vergleichen die DNA mit Proben von Verwandten. Damit wollen sie die Opfer schneller identifizieren. In Ermittler-Kreisen hieß es zuvor, Spuren an den Überresten legten eine Explosion nahe. Das größte gefundene Körperteil habe dabei das Ausmaß einer Handfläche.

Spuren von Sprengstoff, was etwa auf eine Bombe an Bord hindeuten könne, hätten Forensiker aber bislang nicht entdeckt, hieß es. Der Airbus auf dem Flug von Paris nach Kairo hatte am Donnerstagmorgen kurz vor dem Absturz zwischen Kreta und Ägypten automatische Signale gesendet, die auf Rauch in der Nähe des Cockpits hingedeutet hatten. Rückschlüsse, was diesen ausgelöst habe, könnten daraus jedoch nicht gezogen werden, hatte die französische Flugunfallbehörde BAE erklärt. An Bord waren 66 Menschen.

"Weder auf Trümmern noch auf Gliedmaßen wurden bisher Sprengstoffspuren entdeckt", sagte ein mit dem Fall befasster Experte am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Auch wenn es Hinweise auf eine Explosion gebe, deute dies nicht automatisch auf einen Anschlag hin. Die ägyptischen Behörden hatten einen Anschlag zunächst als wahrscheinlichsten Grund für den Absturz genannt, waren dann aber zurückgerudert.

"Bei einem abstürzenden Flugzeug gibt es zwangsläufig irgendwann eine Explosion", sagte ein zweiter Experte. "Entweder in der Luft, wegen einer Explosion infolge eines Schadens oder eines Verbrechens. Oder wenn das Flugzeug auf das Meer aufschlägt nach einem Absturz aus elf Kilometern Höhe." In allen Fällen werde der Rumpf in Stücke gerissen. "Das bringt die Ermittlungen nicht voran - so lange es keine Sprengstoffspuren gibt."

Exakte Hinweise versprechen sich die Ermittler von Flugdatenschreiber und Stimmrekorder, die noch auf dem Grund des Mittelmeers vermutet werden. Die Suche und Bergung der Geräte könnte noch mehrere Tage andauern, hieß es am Dienstag aus Ermittlerkreisen. Der Umkreis, in dem sich die Geräte befinden könnten, habe einen Durchmesser von 40 Seemeilen (74 Kilometern).

Der Flug MS804 war am frühen Donnerstagmorgen mit 66 Menschen an Bord auf dem Weg von Paris nach Kairo über dem östlichen Mittelmeer abgestürzt. Die Ursache ist bislang unklar. Zuletzt hatte es geheißen, dass an Bord des Flugzeuges unmittelbar vor dem Absturz ein Rauchalarm ausgelöst wurde. Bislang wurden die für die Aufklärung der Absturzursache wichtigen Flugschreiber und Stimmenrekorder nicht gefunden.

Das ägyptische Militär sucht unter anderem mit Unterstützung Frankreichs weiterhin vor der Küste Ägyptens nach Wrackteilen. Die Suche sei schwierig, da das Suchgebiet mehr als 74 Quadratkilometer groß und an manchen Stellen bis zu 3000 Meter tief sei, hieß es aus Ermittlerkreisen. Der Kommission zufolge laufen derzeit DNS-Untersuchungen der geborgenen Körperteile, um die Insassen zu identifizieren. An Bord der Maschine waren hauptsächlich Ägypter und Franzosen. Deutsche saßen nicht in dem abgestürzten Flugzeug. (rtr, AFP)

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