Flughafen Frankfurt : Bus überrollt Lufthansa-Mitarbeiter

Bei einem Busunglück auf dem Frankfurter Flughafen ist eine 26-jährige Praktikantin getötet worden. Der Busfahrer steht noch Stunden nach dem Vorfall unter Schock.

von
Ermittler sichern Spuren. Diese Stelle wird nur von Angestellten frequentiert, der Passagierbereich ist weit entfernt.
Ermittler sichern Spuren. Diese Stelle wird nur von Angestellten frequentiert, der Passagierbereich ist weit entfernt.Foto: dpa

Als der Leichenwagen langsam an den Bus heranrollt, wird es an Tor 25 an Deutschlands größtem Flughafen für einen Moment ganz ruhig. Ein Sicherheitsmann, der an der Unfallstelle den Frachtverkehr zum Airportring umleitet, hält betroffen inne. Ein Bus war hier am Morgen in eine Menschengruppe gefahren und hatte mehrere Lufthansa-Mitarbeiter überrollt. Eine 26 Jahre alte Praktikantin von Lufthansa Cargo wurde dabei getötet. Zwei Menschen wurden schwer, drei leicht verletzt. Die Tote arbeitete wie der Wachmann beim Flughafen. Sie hatte wie tausende andere Beschäftigte am Morgen auf den Pendelbus gewartet, der sie zu ihrem Arbeitsplatz bringen sollte. Niemand versteht, wie die Bushaltestelle zum Ort eines so schweren Unfalls werden konnte. Tagtäglich fahren viele Angestellte mit solchen Bussen von Tor zu Tor. Am Donnerstag fuhr einer der weißen Busse mit den verdunkelten Fenstern offenbar ungebremst in die Gruppe Wartender.

Das linke Vorderrad des Transporters lehnt noch an einer Glaswand des Bushäuschens, das den Unfall völlig unbeschadet überstand. Dieser Reifen hat wohl die Opfer überrollt.

Knapp 30 Einsatzkräfte eilen an der Unfallstelle auf und ab. Sicherheitskräfte des Flughafens, die an diesem Tor beschäftigt sind, starren regungslos in Richtung des Busses. Glassplitter liegen herum, ein abgeknickter Laternenmast ragt unter dem Bus hervor. Erst durch ihn kam das Fahrzeug auf dem Bürgersteig zum Stehen, so scheint es.

Genaues weiß niemand. Der Airportring führt um den Flughafen herum. Er wird begrenzt von einer Schallschutzwand, durch die Tore ins Innere führen. Rund 50 Meter sind es von Tor 25 im Frachtbereich bis zu der Bushaltestelle. Hier ist eigentlich zu wenig Platz, um schnell zu fahren, der Bus musste zwei Kurven passieren bis zu der Haltestelle.

Noch Stunden nach dem Busunfall steht Claudia Jäger „unter Schock“, so sagt sie selbst. Ihr Ehemann ist Geschäftsführer des Busunternehmens FraBus, dem das Unglücksfahrzeug gehört. „Der Busfahrer ist ein erfahrener Mitarbeiter, der Bus war neu, ist erst im August 2010 zugelassen worden; wir können uns den tragischen Unfall nicht erklären“, sagt Claudia Jäger. Auch die Polizei kann sich den Unfall nicht erklären. So viel steht fest. Am Donnerstag früh, gegen 8 Uhr 15, nähert sich der Busfahrer dem Haltepunkt am Tor 25, wenige Meter vor der Zufahrt zum Lufthansa-Cargo-Bereich. Diese Haltestelle fahren ausschließlich Buslinien an, die Flughafenpersonal auf dem weitläufigen Gelände des größten deutschen Airports befördern. Dort, Kilometer von den Terminals des Flughafens entfernt, halten sich in der Regel keine Fluggäste oder Besucher des Airports auf. Aus ungeklärter Ursache gerät der weiße Zweiachser außer Kontrolle.

Der Busfahrer steht noch Stunden nach dem Vorfall unter Schock und muss ärztlich behandelt werden. „Zur Unfallursache können wir noch gar nichts sagen“, sagte der Sprecher des 19. Polizeireviers am Frankfurter Flughafen, André Sturmeit, der unmittelbar nach dem Unfall vor Ort war. Das Fahrzeug sei sichergestellt; die Polizei habe einen unabhängigen Sachverständigen eingeschaltet, um das Geschehen zu rekonstruieren. Bei dem Busunternehmen FraBus handelt es sich um den Zusammenschluss des Dortmunder Anbieters TDR mit dem Friedrichsdorfer Reisedienst Sack. Das Unternehmen hatte eine Ausschreibung des Flughafenbetreibers Fraport für drei Buslinien zur Beförderung der vielen Menschen gewonnen, die auf dem Flughafen arbeiten. Für 15 neue Fahrzeuge hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 3,3 Millionen Euro investiert. Seit dem vergangenen Herbst verkehrt die FraBus-Flotte rund um den Flughafen, unter anderem auf dem sogenannten Airportring, der an der Unfallstelle an Tor 25 vorbeiführt. mit dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben